H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)

IV. Die Insignien der fürstlichen Würde: Das Zubehör des khaganischen Gürtels Kat. 1–18

Abb. 79.1. Kunbábony, 2. Bácsujfalu, 3. Győr, 4. Kunpeszér, 5. Gátér, 6. Kevermes tung eines Sieblöffels zum Vorschein kamen. In Ke­vermes stieß man 1964 auf einen 6,8 cm langen vergoldeten Bronzezylinder mit einem Durchmesser von 1,5 cm,783 an einem Ende war er mit einem schmalen gerippten Band gesäumt, wie sich am an­deren Ende ein ähnliches befunden haben muß, und man definierte ihn als Messerheft. In Anbetracht des Blechzylinders mit abgewetzte Oberfläche und des mit ihm zusammen gefundenen Sieblöffels sowie der Armreifen mit Hornenden kann als sicher angenom­men werden, daß in diesem Fall von der Tube eines mit Toilettegegenständen ausgestatteten Frauengra­bes die Rede ist, und nicht vom Besatz eines Messer­heftes. Die aus solchen Gräbern stammenden Messer sind in der Regel 18-20 cm lang, weshalb auch die Maße des Fundes eine solche Annahme nicht recht- fertigen. Dafür spricht die aus Silberblech gebogene längliche, zylinderförmige Tube aus Grab 29 des früh- awarischen Gräberfeldes Kunpeszér-Felsópeszéri út (Abb. 79.4.).784 Der Zylinder war an beiden Enden mit gerippten Goldbandringen gesäumt, sein unteres En­de schließt ein Silberblech ab, am oberen Deckblech war oben ein kleinerer, rechteckiger Durchbruch, seine Länge beträgt 5,2 cm, sein Durchmesser 1,2 cm. Im Inneren der Tube fanden wir Faserreste eines organischen Materials. In dem Grab kamen unter anderem ein Paar goldene Bommelohrgehänge, eine Silberpinzette, ein Bronzespiegel und ein Dolch mit Knochenbesatz zum Vorschein. Die Tube muß sich in der Nähe der Silberpinzette in einer an der linken Seite der Hüfte getragenen Tasche befunden haben. Weiters wird unsere Definition dadurch bestätigt, daß sich im Fund von Kunbábony auch ein von den Findern ziemlich genau beschriebener Goldlöffel mit runder Laffe und gedrehtem Stiel befand, und viel­leicht können wir die Annahme riskieren, daß die Löffel bzw. Sieblöffel sowie die Tuben vorerst unbe­kannter Bestimmung nicht nur zu Verschönerungs-, sondern auch zu kultischen Zwecken dienten. Hierzu ist anzumerken, daß wir die Tube aus dem Gräberfeld Kunpeszér zusammen mit Vogelknochen fanden, die gemeinsam in einer Tasche aufbewahrt waren. Ähnli­che Knochen kamen auch im Grab 17 des Gräberfel­des Kiszombor „E" zum Vorschein.785 Im Gräberfeld von Castel Trosino, das in enger Verbindung zu unseren awarischen Funden steht, fand man ebenfalls aus Silberblech gefertigte Tuben, die an beiden Enden durch Bandeinrahmungen ver­stärkt sind.786 Die mit Punzierung und Granulation verzierten Exemplare wurden in der Fundpublikation als Tuben definiert. Unter den östlichen Parallelen verdient eine Gruppe von Goldgegenständen Erwäh­nung, die - unter dem Namen Kitschkas-Fund be­kannt - in der Nähe des Dorfes Wosnessenska zum Vorschein kam: neben Säbel- und Messerfutteralbe­schlägen, gebrannten Haupt- und Nebenriemenzun­783. JUHÁSZ: 1973, 99-100, Tat. I. 3, 6. 785. Unveröffentlichte Funde im Móra Ferenc-Museum zu Szeged. 784. H. TÓTH: 1987. (Manuskript) 786. MENCARELLI: 1902, 199, 206, Abb. 39, 46, Crab H. 3. 195

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