H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)

IV. Die Insignien der fürstlichen Würde: Das Zubehör des khaganischen Gürtels Kat. 1–18

dreilappigen Abschluß der Schnalle von Kunbábony nahesteht, innerhalb dessen sich aber eine nierenför­mige Zellverzierung befindet. Den Schildkörper mit annähernd ähnlicher Gliede­rung der Schnalle von Kunbábony flankieren — im Gegensatz zu den bisher erwähnten Tierkopfschnal­len sowie der Schnalle mit einem Delphin-Paar aus dem Grab 5 von Arcisa (Abb. 41. 8.) — Tiergestalten, deren Köpfe nach der Schnallenöse hin zeigen und deren Körper schuppig sind.165 I. Bona machte mich auf diese Delphin-„Derivate'' aufmerksam sowie da­rauf, daß sie mit dem aus Salona stammenden Rie- menzungen-Schnallen-Ensemble (Abb. 41. 6.) ver­wandt sein könnten.166 Auf letzterem nämlich ist der Schildkörper der Schnalle von schuppigen Delphinen gesäumt, die die Darstellung eines menschlichen Ge­sichts umgeben, und dies alles ziert den scheibenför­migen Dorn der Schnalle. Bei Interpretierung der Darstellung auf dem Schild­körper unserer Schnalle muß man im Auge behalten, daß nicht nur in einem der Delphin-Derivate, son­dern auch in einer der runden Fassungen über den zu beiden Seiten des zentralen Mosaiks (Abb. 43.) liegenden Kugelreihen die gelblich-weiße Einlage (Knochen? mit der Einbohrung für die Pupille erhalten blieb. Die Ergänzung der Fehlstelle läßt auf der Zeich­nung der Schnalle deutlich werden, daß die Delphin- Derivate eine mit Ziermotiven aufgelockerte anthro- po- oder eher zoomorphe Gesichts — oder Kopfdar­stellung flankieren. Dies erinnert in seiner Gesamtheit am ehesten an einen Löwen, zweifellos kann aber infolge der komplizierten Zeichnung der Schnalle auch die subjektive Sichtweise nicht ausgeschlossen werden. So glaubt J. Werner beispielsweise, im inne­ren Feld die Darstellung eines stilisierten Lebensbau­mes und eines Vogelpaares zu erkennen.167 Für mich besteht kein Zweifel, daß über den runden Augen die ebenfalls für die byzantinischen Masken-Schnallen typische Darstellung der halbkreisförmigen Augen­brauen erscheint,168 die den Eindruck eines Vogel­kopfes erwecken könnte. Weniger klar ist jedoch, ob das an der Innenseite der Augen stehende halbkreis­förmige Zellpaar Bedeutung für die Darstellung hat, wofür die Masken-Schnallen keine Erklärung abge­ben. Und ob nun die Augen von Vogelköpfen mar­kiert werden, oder nicht, ist meine Überzeugung eher dahingehend, die Darstellung der Schnalle als eine von einem Delphinpaar flankierte Maske anzusehen. 165. HESSEN: 1971, 29-32, Taf. 10. 3-4. 166. VINSKI: 1974, 44, 49, Taf. XLIV. 1. Ein verwandtes einheimi­sches Stück stammt aus Grab 16 des awarenzeitlichen Grä­berfeldes von Szekszárd-Bogyiszlói út. Menghin-Springer— Warners 1987. Germanen, Hunnen und Awaren. 1987, 282, Abb. VI. 61.b. 167. WERNER: 1986, 55, Anm. 157. 168. CSALLÁNY: 1962, b, 55, 58, Taf. I. 3, II. 1, IV. 10. Abb. 43 1. Castel Trosino (Talbot-Rice), 2. Flontheim (Flolm- quist) Für eine solche halte ich auch — obwohl das mei­nes Wissens nach im Zusammenhang mit dem Fund bisher nicht aufgeworfen wurde —die Darstellung auf dem Sattelbeschlag aus Grab 119 des Gräberfeldes von Castel Trosino (Abb 44. 1.).169 Inmitten der kom­plizierten, stark stilisierten Pflanzen- und Flechtverzie­rungen zeichnet sich für mich deutlich zwischen den beiden „Delphinen" eine abstrakte menschliche Mas­ke ab. Ihre Augen werden von zwei deutlich sichba- ren Vogelköpfen, ihre Nase von einer einzigen Schlaufenlinie, die Stelle ihres Mundes aber von einer dreifach geflochtenen Verzierung markiert. Unter­halb des Kinns ausgehend, anhangartig mit Vogel­köpfen, erscheint die schwungvoll gewölbte Vertie­fung des unteren Saumes unserer Schnalle. Oberhalb der Augen liegt auf dem Stirnteil ein sich gegeneinan­der wendendes Paar Tiere, die ebenso wie die am Kopf der „Delphine" sichtbaren Tiere raumfüllende Elemente sind. Den zwischen den „Delphinen" frei­169. Werner betont ebenfalls, daß dieser Sattelbeschlag und sei­ne Parallele aus Maloje Perescepino in gleicher Weise auf byzantinische Vorbilder zurückzuführen sind, so wie im Fal­le beider Exemplare die apothropaische Bedeutung der Dar­stellung. 101

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