H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)
IV. Die Insignien der fürstlichen Würde: Das Zubehör des khaganischen Gürtels Kat. 1–18
Abb. 44 Stark vergrößerte Mosaikeinlage an der byzantinischen Schnalle des Fundes (Kat. 1) bleibenden oberen Bogen der Maske rahmt eine Kugelreihe ein. Obgleich meine Interpretation kaum beweisbar ist, stimme ich dem zu, daß die Schnallen mit „Delphins- Paar auf antike Vorläufer zurückzuführen sind, wie beispielsweise die Hontheimer Bronzeschnalle (Abb. 44. 2.) einer ist, auf der schuppige „Delphine" den wuscheligen Kopf eines Mannes (Neptun?) umgeben, ähnlich der Anordnung des o.g. Zwieselbeschlags..170 Das Weiterleben dieses Delphins, des mähnigen Seeungeheuer-Motivs, belegt auch die Darstellung des Dolches von Chiusi.171 Hinsichtlich der Fertigung unserer behandelten Schnalle ist auf jeden Fall die Meinung I. Bónas zu diskutieren derzufolge der Gegenstand aus zwei Teilen besteht. Den Kern bildet eine echte byzantinische Schnalle mit der Goldfeinheit 750, die von der Werkstatt des Khagans, den Traditionen der Steppengoldschmiede entsprechend, durch Umrahmung mit einer Kugelreihe aus Gold der Feinheit 980 „vornehmer" gemacht, in deren inneres Feld ebenfalls anorganisch eine Kugelverzierung appliziert wurde. Das o. a. abwägend scheint uns diese Ansicht von 170. HOLMQVIST :1977, 57, Abb. 48. 171. ÄBERG: 1923, 207. HORVÁTH T.: 1935. 25. mehreren Gesichtspunkten jedoch fraglich. Die unterschiedliche Feinheit des Goldes an sich bedeutet noch nicht, daß man verschiedene Teile der Schnalle nachträglich gefertigt hat. Auch die Funktion sowie die Art und Weise der Zusammensetzung einzelner Details können Grund für die Verwendung von Elementen unterschiedlicher Feinheit sein. So können z. B., da das reine Gold weich ist und sich schnell abnutzt, die darin gefaßten Steineinlagen rasch verloren gehen, deshalb ist es zu diesem Zweck richtiger, sprödere Goldlegierungen zu verwenden. Diese haben einen niedrigeren Feinheitsgrad, sind anspruchsvoller beim Föten, daher ist hier die Verwendung reinerer Rohmaterialien mit niedrigerem Schmelzpunkt zweckmäßiger. Andererseits wiederum bedeutet das nachträgliche „Vornehmmachen" der Schnalle ein kaum zu lösendes technisches Problem. An der Scharnierkonstruktion wäre sie vielleicht noch zerlegbar, aber sonstiges nachträgliches Applizieren, Föten am Schnallenkörper nach Einfassung der Steineinlagen können auch dann nicht vorgenommen werden, wenn man versucht, die Fassungen mit Fehm zu verhüllen (Abb. 45. 1-6.). Ein Erhitzen des fertigen Schnallenkörpers auf eine dem Schmelzpunkt des Goldes nahekommende Gradzahl wäre für die zentrale mosaikartige Einlage nicht ohne schädigende Folgen gewesen. Diese Einlage aber - die sicher nicht in einer barbarischen Werkstatt gefertigt wurde, ist sie doch auch unter den byzantinischen Arbeiten einzigartig - kam unversehrt zum Vorschein. Verfolgen wir diese Gedankengang weiter. Denkt man sich die Kugelverzierungen der inneren Fläche des ansonsten dichtbesetzten Schnallenkörpers weg, so wirkt der Schildkörper unvollendet und im Verhältnis zu der an sich schon großen Öse unproportional kleiner. Die Vertiefungen für die Kugeln mußten bei der Anfertigung des Deckblechs ausgebildet werden, und daran läßt sich nachträglich am fertigen Gegenstand nichts wesentliches mehr ändern. Aber vielleicht müssen wir die nachträgliche Anbringung der Kugeln auch gar nicht annehmen, ist doch auch die „Maske" des Zwieselbeschlags von Castel-Trosino, auf die Bezug genommen wird, von einer Kugelreihe gekrönt, bei der die Möglichkeit einer nachträglichen Applikation gar nicht in Erwägung gezogen werden kann. In der byzantinischen Kunst ist die Anwendung von Kugelreihen zwar bei weitem nicht so häufig wie bei den Steppenvölkern, und doch auch wieder nicht so selten, daß man ihre Anbringung als nachträglich betrachten müßte. Nicht nur die Scharnierschnallen sind durch eine Kugelreihenkonstruktion miteinander verbunden, eine solche Verzierung umrahmt u. a. auch die erwähnte sizilianische Schnalle, während 102