Levéltári Közlemények, 66. (1995)
Levéltári Közlemények, 66. (1995) 1–2. - SASHEGYI OSZKÁR EMLÉKÉRE - Brachmann, Botho: Meditation zu Aufgaben der akademischen Lehre auf dem Felde der Archivistik / 157–165. o.
164 Botho Brachmann Ihre Fragestellung „...Do new archival materials entail changes in traditional archival theories and principles?" wird von ihr selbst wie folgt beantwortet: „...Archival theory gives archivists a framework for analysis of the universe of records. .. Or to put it another way, is a theory that has proven to be well-suited to records of any institution or organization a purely paper-based theory? This paper argues that basic archival principles do apply to records created by utilizing computer technologies... Managing machine-readable records does not, however, mean having to create the world of archival theory anew. The traditional archival principles — evidential and informational values, provenance, levels of arrangement and description — continue to undergird archival practice. That practice will grow and change, but the principles will endure." 16 Diesen Überlegungen kann nur voll zugestimmt werden. An die Ergebnisse der Auswahl und Bewertung sowie der Erschließung von Archivgut schließt die Auswertung an. Sie behandelt die Grundsätze und Verfahren, die der Archivar als Informationsvermittler zu beachten hat. Hier gilt es, vorrangig deutlich zu machen, daß die Interpretation, das Aufwerfen von Fragestellungen und die Benutzung von Archivgut vor allem in die Verantwortlichkeit des Nutzers fallt. Letzterer ist in der Benutzerberatung auch mit der Gefahr des Archivalienfetischismus bekannt zu machen. Ohne das Instrumentarium der Quellenkritik zu nutzen, entstünde z. B. aus dem Planungsschriftgut für die „sozialistische" Wirtschaftsführung nur ein utopisches Abbild, ein Phantasieprodukt im Vergleich zur stattgefundenen gesellschaftlichen Entwicklung. Zum Gebiet der Auswertung gehören ferner Aussagen über die „public relations", die im Archivwesen im Vergleich mit dem Bibliotheks- und Museumswesen angestrebt werden sollen. Wenn der Archivar dabei beachtet, daß sich statistisch belegt die Relation zwischen Museumsbesuchern, Bibliotheksbenutzern und Archivnutzern wie 6000:1000:1 verhält, dann wird er eigene Illusionen über seine öffentliche Akzeptanz begrenzen und erst gar nicht in Konkurrenz zu seinen Nachbarinstitutionen antreten wollen. Im Gegenteil, er wird und muß die Kooperation mit ihnen suchen, um auf diese Weise das Wissen um das Kulturgut und die Bedeutung der Archive in der jeweiligen Gesellschaft optimal zu verbreiten und damit um Verständnis und Unterstützung zu werben. Schließlich sind noch die Archivgeschichte und zukünftig auch die Geschichte der Archivwissenschaft als Teilgebiete unserer Fachdisziplin zu erwähnen. Anregungen für beide werden aus der jeweiligen Nationalgeschichte bzw. der internationalen Wissenschaftsgeschichte erwachsen und aufgegriffen werden. Die Archivgeschichte wird außerdem auf Kontinuitäten, Gemeinsamkeiten innerhalb einzelner und zwischen historischen Perioden sowie auf Unterschiede im Wesen und in der Erscheinung von Archiven und Archivgut aufmerksam machen. In der Geschichte der Archiv Wissenschaft wird bedeutenden Archivaren, ihrem Wirken, aber auch ihnen gewidmete Festschriften und Jubiläums-Publikationen der gebührende Platz einzuräumen sein. Aus den Darlegungen lassen sich thesenartig einige Feststellungen formulieren, die das Nachdenken über den Berufsstand und seine Arbeit betreffen: 1. Archivarische Tätigkeit, gleich auf welchem Arbeitsplatz und mit welchem Qualifikationsnachweis, setzt stets persönliche Motivation, das Beherrschen multifunktionaler Methoden und interdisziplinäre Orientierung voraus, um dem Berufsethos beim Sichern, Bewahren und Vermitteln von Informationen mit mehr Professionalismus entsprechen zu können. 2. Die Archivwissenschaft ist eine lebendige und keine zu dogmatisierende Wissenschaft. Sie ist ein spannendes Betätigungsfeld. Allerdings erschließt sie sich nur 16 Ebd., S. 83, 88.