Levéltári Közlemények, 66. (1995)
Levéltári Közlemények, 66. (1995) 1–2. - SASHEGYI OSZKÁR EMLÉKÉRE - Brachmann, Botho: Meditation zu Aufgaben der akademischen Lehre auf dem Felde der Archivistik / 157–165. o.
Aufgaben der akademischen Lehre Archivistik 165 demjenigen, der auch neue Fragen an sie und die Praxis zu stellen gewillt ist. Ihre Emanzipation eröffnet neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den anderen Geistes- und Naturwissenschaften. 3. Die Themen der seit 1950 bzw. 1954 veranstalteten internationalen Archivkongresse und Konferenzen ,,Table Ronde des Archives" sowie die vom Internationalen Archivrat regelmäßig aktualisierte „List of ICA Publications" stellen neben den Bibliographien zur Archivliteratur (z. B. Zeitschrift „Archivum" Vol. XXXVI) 17 sowie den Fest- und Jubiläumsschriften usw. eine Schatzkammer von Anregungen dar, deren systematische Integration in die Archivistik immer wieder vorzunehmen ist. Der Fortschritt der Archivistik wird also von dem theoretischpraktischen Engagement vieler Archivare abhängen, die in der Literatur über ihre Erfahrungen berichten und Erkenntnisse mitteilen. Dies ist für die eigene autodidaktische Arbeit wichtig, weil noch immer ein Defizit an Hand- und Lehrbüchern konstatiert werden muß. 4. Im XX. Jahrhundert hat das Provenienzprinzip als zentrale Kategorie der Archivistik global Akzeptanz gefunden. Außerdem ist mit Bestandsübersichten, Quellennachweisen, Inventaren, EDV-Registern usw. ein beachtliches theoretischmethodisches Instrumentarium und Recherchepotential entwickelt worden. Darauf aufbauend ist einerseits weiterhin die Einheit von Theorie und Empirie zu betonen und ein atheoretischer Pragmatismus zurückzuweisen. Andererseits ist eine Fetischisierung der Archiv Wissenschaft, ein bedingungsloser ,,Wissenschaftsglaube" abzulehnen. Denn aus dem Beispiel der Ökologie ist sehr wohl bekannt, daß diese Wissenschaft nicht für die Umweltverschmutzung verantwortlich ist. Ahnliches läßt sich für das Verhältnis zwischen der Archivistik und der , ,Krise des Archivwesens" sagen. Ausgesprochen ignorant wäre es deshalb, die Wissenschaft für Versäumnisse und Fehlentwicklungen zu schelten, an deren Zustandekommen sie keinen Anteil hat. 5. Die Internationalisierung in der Kommunikation und die bisherige Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse läßt es weiterhin zweckmäßig erscheinen, die Initiativen und Aktivitäten im Rahmen der UNESCO, der IASA, der FIAF und FIAT besonders zu fördern. Dabei ist der Dialog und die Kooperation mit den Nachbarwissenschaften im Bibliotheks- und Museumswesen, in der Information und Dokumentation unter Einbeziehung der hierfür vorhandenen internationalen Organisationen wie IFLA, FID und ICOM fortzusetzen. 17 München, New York, London, Paris 1990, 195 S. und Brenneke, A./Leesch, W.: Archivkunde, Bd. 2: Internationale Archivbibliographie. Mit bes. Berücksichtigung d. dt. u. Österreich. Archivwesens. 2. völlig neubearb. u. erw. Aufl. Berlin/Heidelberg 1993.