Levéltári Közlemények, 66. (1995)

Levéltári Közlemények, 66. (1995) 1–2. - SASHEGYI OSZKÁR EMLÉKÉRE - Brachmann, Botho: Meditation zu Aufgaben der akademischen Lehre auf dem Felde der Archivistik / 157–165. o.

Aufgaben der akademischen Lehre Archivistik 161 Problem begegnen zu können. ,0 Hinzu kommt, daß der Zuwachs an neuen ebenfalls ge­fährdeten Unterlagen, die sich noch lange nicht alle auf dem geforderten Stand moderner Normen bewegen, größer als die Möglichkeiten zur Restaurierung oder einer Reproduk­tion ist. Auch die Mikroverfilmung (Sicherungsverfilmung) hat sich nur partiell als thera­peutisches Mittel erwiesen. Somit ist für die kommenden vier bis fünf Jahrzehnte in den Bibliotheken und Archiven in Deutschland und andernorts mit hoher Wahrscheinlichkeit ein bedeutender finanzieller und materieller Aufwand erforderlich, um die vorhandene Überlieferung für die Nachwelt zu erhalten, wenn auch mittlerweile in den USA, in Deutschland und in anderen Ländern ein gegenläufiger Prozeß begonnen hat, indem in wachsendem Maße bei behördlicher Aktenbildung oder in der Buchproduktion säurefreies Dokumentenpapier verwendet wird. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, daß nicht nur Unterlagen auf Papierbasis gefährdet sind, sondern daß auch in Filmarchiven auf Grund der früher verwendeten Nitro-Zellulose-Materialien eine Zeitbombe tickt, wenn nicht der Prozeß des Umkopie­rens fortgesetzt wird, um die negative Wirkung zu neutralisieren. Gleiches gilt für Farbfilme und deren authentischer Sicherung, selbst wenn diese auf der Basis von Acetat­Zellulose-Material vorliegen. Auch die sog. High-Tech-Unterlagen (Magnetbänder, Dis­ketten usw.) verschiedener Generationen der letzten 20 Jahre altern in noch viel kürzeren Zeiträumen als dies für Papieraufzeichnungen gilt. Erhaltung von archivischer Überlieferung ist demzufolge eine sehr komplexe Auf­gabe. Um Verluste zu reduzieren, bedarf es entgegenwirkender Strategien sowie deren Materialisierung, Technisierung, Finanzierung und Personalisierung. Die skizzierte Spon­taneität des Verlustes an Überlieferung läßt die These berechtigt erscheinen, daß die Zeit mehr vernichtet hat oder vernichten könnte als dies eine Kassationskonzeption von Archi­varen vorsehen könnte. Sowohl a priori, d. h. in der Phase der Aktenbildung oder der For­mierung von Unterlagen, als auch post festum, nach ihrer Entstehung und Abgabe an hi­storische Archive, sind geeignete Maßnahmen zu treffen, um das Archivgut als Kulturgut zu sichern und zu erhalten. Vorbeugend können dabei induktiv und deduktiv seitens des Staates oder der Leitungen von Wirtschaftsunternehmungen, von einzelnen Betrieben und Kommunen Schritte eingeleitet werden, die eine langfristige Speicherung von Informatio­nen ermöglichen. Außerdem sollten die in der Literatur mit ihren positiven Erfahrungen erörterten Zwischenarchive, die sog. record centers, weiter ausgebaut werden, um das Massenproblem steuern zu helfen. Denn trotz aller guten Vorsätze, individueller und kooperativer intellektueller Anstrengungen ist das Feld archivarischer Bewertung und Bestandsergänzung, eines unserer wichtigsten Tätigkeitsbereiche, doch noch mehr oder weniger dem Selbstlauf überlassen. Das Massenproblem bei der Überlieferungsbildung ist international bekannt, es ist jedoch ungelöst. Immer mehr Unterlagen sind in immer kürzeren Abständen als Ar­chivgut und somit als Kulturgut zu sichern und zu erhalten. Im Unterschied zu dieser Sachlage befindet sich das Instrumentarium zur Bewertung auf einem nicht befriedigenden Niveau. Die Diskussion über Bewertungsmodalitäten, die im März 1991 auf einem Kol­loquium der Humboldt-Universität zu Berlin 11 und im Juni 1994 auf einem Kolloquium 10 Hartmut Weber: Der Archivar und die Technik im Archiv. Berufsbild und Konsequenzen für die Fach­ausbildung im Zeitalter von Papierzerfall und modernen Informationstechnologien. In: Der Archivar 47, 1994, H. 2, Sp. 253—268; Rickmer Kießling: Massenkonservierung und Massenrestaurierung bei Papierzerfall. Erhebungen und Ergebnisse einer Arbeitsgruppe des Westfälischen Archivamtes, der staatlichen Archivverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Archivberatungsstelle Rheinland. In: Der Archivar 47, 1994, H. 4, Sp. 615—628. 11 Vgl. die Beiträge in: Archivmitteilungen 3/1991, S. 101—130 und Angelika Menne-Haritz: Das Prove­nienzprinzip — ein Bewertungssurrogat? Neue Fragen einer alten Diskussion. In: Der Archivar, 47, 1994, H. 2, Sp. 229-252.

Next

/
Thumbnails
Contents