Levéltári Közlemények, 66. (1995)

Levéltári Közlemények, 66. (1995) 1–2. - SASHEGYI OSZKÁR EMLÉKÉRE - Brachmann, Botho: Meditation zu Aufgaben der akademischen Lehre auf dem Felde der Archivistik / 157–165. o.

162 Botho Brachmann der Archivschule Marburg stattgefunden hat, ist im Kern steckengeblieben. Es gibt zwar für einzelne Felder (Justiz, Gerichtsakten, Bauakten, Zoll- und Steuerakten usw.) Berichte und Erfahrungswerte, aber die Ermessensmöglichkeiten des bewertenden Archivars sind so breit angelegt, daß eine wirklich annehmbare Generalisierung zur Zeit als nicht mög­lich erscheint. Dies wird erhebliche Konsequenzen für die Magazinierung und für zusätz­liche Archivbauten haben, ganz abgesehen von der Erweiterung des Personals. Ob die übernommenen Quellen vom Sekundärwert her tatsächlich den verwaltungsmäßigen oder auch wissenschaftlichen oder sonstigen Benutzungsansprüchen entsprechen können, bleibt notwendigerweise offen. Um die Dimension beispielhaft zu konkretisieren, sei auf einen Bericht aus einem ,,alten" Land der Bundesrepublik Deutschland, und zwar für die Staatlichen Archive Bayerns aus dem Jahre 1993 verwiesen. 12 Im Zuständigkeitsbereich der Staatlichen Ar­chive Bayerns befanden sich zum genannten Zeitpunkt 182 000 lfm (34,2 Millionen Archi­valieneinheiten). Im gleichen Jahr wurde der Neuzugang für die Staatlichen Archive Bayerns mit 2100 lfm angegeben. Sofern man auf dieser Datengrundlage eine perspektivi­sche Hochrechnung versucht, bedeutet das, daß bis zum Jahre 2015 wenigstens weitere 50 000 lfm zu erwarten sind, die zu integrieren und archivarisch zu erschließen sind. In 20 Jahren entsteht also mehr als ein Viertel dessen, was bisher in Bayern für 1000 Jahre überliefert worden ist. Dies kann aus der Sicht historischer Nutzung und Bedeutung sicher als eine Disproportion verstanden werden. Mit dieser sind jedoch die Staats- und Stadtar­chive, die Wirtschaftsarchive usw. in aller Welt konfrontiert. Angesichts dieser Sachlage erscheinen Zweifel berechtigt, ob induktiv mit unseren bescheidenen Erkenntnissen und Mitteln das Massenproblem noch oder überhaupt steuerbar ist. Gibt der Archivar mit seinen Bemühungen um geeignete Instrumentarien nicht unbewußt seiner Umwelt gegen­über für das Gebiet der Quellenkunde das Versprechen ab, Prozesse zu beherrschen, die außer Kontrolle geraten sind? Die „Krise des Archivwesens" hat hier mit Sicherheit eine ihrer Wurzeln. Auch auf dem Felde der Erschließung bleiben viele Wünsche offen. Für das Bundes­archiv hat sich F. P. Kahlenberg bereits dazu geäußert. In Bayern wurden für die bereits erwähnte Archivalienmenge der staatlichen Archive ca. 60% als in befriedigender Weise erschlossen angegeben, während 40% nur in einfacher Form recherchierbar sind. 13 Der Rückstau an qualifizierter Erschließung, einschl. der Existenz von Findhilfsmitteln, ist so­mit erheblich und stellt die Archivare, sicher nicht nur in Bayern, vor große Arbeitsauf­gaben. Die Benutzung kann unter Auswertung der im gleichen Bericht gemachten Angaben (vorgelegte Archivalieneinheiten, Recherchen, Auskünfte) auf nicht höher als 2,5% des genannten Gesamtbestandes angesetzt werden, während Medienarchive (wie beim Fern­sehen), die sich selbst als programmunterstützende Dienstleistungseinrichtungen ver­stehen, immerhin auf jährlich 17 bis 20% der Nutzung des Gesamtbestandes verweisen können. Da sich die Bestände in allen Archivtypen kontinuierlich vermehren, wird der Anteil der Nutzung, bezogen auf die Gesamtbestände, absolut immer geringer. Obwohl in Montreal 1992 außerdem ausführlich über die Vorzüge einer weiteren Nor­mierung im Archivwesen diskutiert worden ist, muß die Möglichkeit der übergreifenden Verwendung von nationalen oder ISO-Standards nüchtern und stets konkret gesehen wer­den. Zweifellos kann manche technische Norm für Zwecke der Lagerung, für Archiv­12 Nachrichten aus den Staatlichen Archiven Bayerns, Nr. 38. München, Okt. 1994, S. 14. 13 Ebd. und außerdem: Die Archive in Sachsen und in Bayern. Information und Sicherung. Sächsisch­Bayerisches Archivarstreffen 23.-25. April 1993 in Freiberg. Vorträge. Hrsg. vom Sächsischen Hauptstaatsar­chiv und von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns. München 1993, 79 S.

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