Linzbauer, Franciscus Xav.: Codex Sanitario-Medicinalis Hungariae 3/2 (Budae, 1855)

Continuatio prima regiminis imperatoris ac regis apostolici Francisci (II.) I.

3 idem Professori Medices, et dirigenti pestilential! Medico Sch rau d fine fa­ciendi congrui usus consignet. Datum Budae ut s. wird ; so hat die Natur durch die reichliche Hervorbringung dieses Mittels dem da­selbst grassirenden Vebel der Pest gleichsam einen Damm entgegengesetzt, und den Fingerzeig zur sicheren Hilfe gegeben. Schade, dass die Menschen auf die Entde­ckung desselben so spat gerathen sind. Die ruhmwürdige Aufmerksamkeit und Nachforschungen , die obbesagter Herr B. v. Haidenstamm mit seinem Freunde, dem englischen Konsul in Alexan­dria, H. Balduin, auf die Produkte und Erscheinungen der Natur in ihren Reisen durch Egypten und die türkischen Provinzen gerichtet hatten, hat ihnen zu Smyrna, wo die Pest eigentlich zu Hause ist, deti merkwürdigen Umstand, dass die daselbst sehr zahlreichen Oehlträgcr unter den übrigen auch von der Pest wirklich behafteten Menschen sicher umher zu gehen pflegen, ohne dass nur ein einziger je ein Opfer dieses wüthenden Uebels geworden wäre, nicht entgehen lassen. Sie kamen auf den glücklichen Einfall, dass nur das Baumöhl, mit welchem diese Leute reichlich beschmieret sind, jenes Mittel seyn müsse, welches sie wider den Ajifall der Pest schütze und praeservire. Ein Praeservativum kann doch auch ein Curativum seyn , dachten sie und machten die Probe mit einer Zitrone , die sie entzwei schnitten , in ein Glas legten , Baumöhl. darauf gossen , und so über Nacht stehen Hessen: am folgenden Tage fanden sie die Zitrone von ihrer Säure ganz ausgeleert. Man machte darauf die Probe an Menschen , welche die an der Pest krankliegenden zu bedienen halten, und nie wurde einer mit der Pest befal­len : man machte sie auch an Menschen, welche wirklich selbst an der Pest krank lagen, und die meisten wurden gerettet. Durch weitere und allgemeine Anwendung dieses ebenso vortrefflichen, als einfachen Mittels war man so glücklich, binnen einer kurzen Zeit in einem unbedeutenden Umfange über 4000 gut ausgeschlagenc Kuren zu machen; ja die gemachten Proben, und die Erfahrung bewiesen es, sagt Herr ß. v. Haidenstamm , so icie sonst geicöhnlich von 100 pestkranken Menschen auch 95 dahin gerafft zu werdm pflegen, durch die Anwendung dieses Mittels von 100 derlei unglücklichen Menschen 95 gerettet werden können. Nun folgt die Beschreibung der Art und Weise, wie man dieses Mittel sowohl preservative als curative anwenden soll. Preservative bei denen, welche in einem von der Pest inflzirten Orte zwi­schen pestkranken Menschen wohnen, und mit ihnen zu thun haben ; vorzüglich aber bei denen, welche zur Bedienung und Wartung solcher Unglücklichen angestellet werden. Curative bei denen, bei welchen sich die Symptomata der Pest durch unge­wöhnliche Kopf- uud Magenschmerzen , Erbrechen u. dgl. darzeigen ; auch bei de­nen, bei icelchen sich das Gift schon in den edleren Theilcn des Körpers zusammen gezogen, und herausgeworfen hat, bei welchen die Bubones oder Pestbeulen im Vor­schein gekommen ; ja sogar auch bei denen , welche schon wirklich mit der Diar­rhoea behaftet sind. Praeservative überhaupt, und curative bei denjenigen Patienten , bei welchen sich nur die ersten und mindergefährlichen Merkmale des vorhandenen Pestgiftes äussern, ist folgendermassen zu verfahren : der Patient ist täglich Abends in einem temperirlen Zimmer, oder wenigstens in einer solchen Gelegenheit, wo er vor dem Anfall der Luft gesichert ist, vom Kopfe bei zum Fasse auf blossem Körper mit Baumöhl zu beschmieren, dergestalt, dass kein Pläzchen im ganzen Körper unbe- schmiert bleibe : das Oehl muss sodann durch beständige Froflining und Einreibung in die Poros hineingebracht, und zu noch besserer Wirkung muss der Patient mit einem in das Baumöhl getauchten , oder mit demselben wohl beschmierten Lcinen- zeug angelhan werden. Durch seine anziehende Kraft wird das Oehl aus den noch nicht inflzirten Körpern die zur Empfangung des Pestgiftes prädisponirten Säfte ; aus denen schon wirklich von der Pest angesteckten Patienten aber diese vergiftete Säure mittels eines starken und übelriechenden Schweises auf die Oberfläche her­ausbringen , und ganz umcirksam machen. Sollten aber schon wirklich Pestbeulen seihst in Vorschein kommen, so ist noch nicht zu verzweifeln, sondern , nebst der Einreibung des Baumöhls in dem übrigen ganzen Körper, sind auch die Beulen selbst mit demselben zu schmieren , gelinde zu frottírén , und auf diese Art die darin steckende Pestmaterie heraus zu schaffen, welche sodann mit einem Leinenfetzen, oder mit einem Schwamme behutsam abzuwischen, der Fetzen aber, oder Schwamm durch Feuer zu vertilgen ist. Vorzug— 1 *

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