Linzbauer, Franciscus Xav.: Codex Sanitario-Medicinalis Hungariae 3/2 (Budae, 1855)

Continuatio prima regiminis imperatoris ac regis apostolici Francisci (II.) I.

38 dimanat, exinde uberius perspici, et pro eo, ac humanitatis officia exibunt, palam omnibus divulgari queat. in die Lage dieser Unglücklichen versetzt; so wird er bald einsehen, wie billig und nothwendig es sei, dass man den dunklen Schleier , unter welchem das Ge- tnüth dieser verunglückten Menschen gehemmt, und verborgen liegt, durch alle ersinnliche Mittel tilge, und sie selbst der menschlichen Gesellschaft, aus welcher sie durch das missliche Schicksal ausgeschlossen worden sind, wieder gebe. Im wie viel eher müssen wir noch dieser leidenden Menschheit unsere hilfelci- sletide Hand darbiethen, um sie aus der Dunkelheit hcrauszureissen, wenn wir auf die Reciite der Menschheit, für welche sie den gerechtesten Anspruch machen können, zurücksehen. Denn es ist einmal wahr, dass die Aeltern verpflichtet sind, ihr ganzes Vermögen aufzubielhen, um ihren Kindern die beste Erziehung geben, und sie m wahre Christen , und in nützliche Glieder des Staates bilden zu kön­nen; so wie denn die Kinder ebenfalls berechtigt sind, diese Forderungen an ihren Aeltern machen zu können, damit sie durch ihre Handhabung zur Beobach­tung der Pflichten gegen Gott, sich selbst, und ihren Nächsten fähig werden. Wenn es sich aber ereignet, dass die Aeltern nebst dem traurigen Fall, ein taub­stummes Kind zu haben, entweder unbemittelt, oder der Art und Weise unbe­wusst sind, nach welcher sie den Ansprüchen ihres unglücklichen Kindes entspre­chen könnten; d. h. sie wissen die Verfahrungsart nicht, nach icelcher das Kind in den erforderlichen Eigenschaften gebildet werden sollte ; dann bleibt wohl nichts mehr übrig, als die Z,ußucht zum Staate, wo sich die Kräfte aller glücklicher und unglücklicher Aeltern gemeimschaftlich vereinigen. Dieser ist dann verpßichtcl; die väterliche Pflege, und Erziehung auf sich zu nehmen, um sich dadurch selbst v er voll kommen , den Kindern das Recht, welches ihnen die Aeltern zu geben nicht im Stande sind, selbst zu leisten. Von da werden diese unglückliche Geschöpfe ans den Händen ihrer Aeltern in das neuerrichtete Taubslummen-Institut übertragen, und dann zur Erlangung ihrer kindlichen Rechten als erwachsene, gebildete, und gesittete Menschen gebracht, ln diesem Institute lernen sie dann nebst den gemein­sten Kenntnissen auch noch die Kcnntniss bürgerlicher Pßichlen, die sie den Men­schen , und dem Staate zu leisten schuldig sind. An Euch also mächtige Bürger des Staates! An Euch dem Dienste des Herrn geweihete Priester! deren Beruf vorzüglich dahin abzwecket, dass Ihr die Herzen der Gläubigen zu edlere Gesinnungen von Gott, und der Religion anstimmet! An Euch also wenden wir uns ! Erinneret Euch der Worte im 2len Buche Moysis 4. c. 11. v. welche zu unserem Behufe aufgezeichnet worden sind: Wer hat denn Tauben und Stummen, den Sehenden und den Blinden ge­macht? nicht ich der Herr? Ehret also in den Taubstummen das Wort eures Schöpfers! denn mit diesen Worten wird in eure Hände das ungarische Taubstummen-Inslitul empfohlen. Bedenket ein wenig, wie viele Seelen werdet Ihr, in der gegenwärtigen, und noch mehreren künftigen Epochen von der dunklen Unwissenheit befreien! Wie viele väterliche und mütterliche Herzen erquicken! Wie viele Menschen durch eure einzige Wohlthat beglücken! Betrachtet nur das erhabene Beispiel, welches Euch auf dieser Bahn vor­leuchtet! — — Hier wieder mit Freudenjauchzen Dein von so vielen hundert­tausend Unlerthanen gepriesene Namen Franz der Zweite erschallen! Deine umher gerichteten scharfen Blicke wachen nicht nur über das Wohl der Glücklichen, sondern auch Unglücklichen. Tief fühltest D u in deinem menschenfreundlichen Herzen; wie sehr die arme taubstumme Schaar deiner Hilfe bedürfet; aber du fühl­test nicht nur, sondern machtest sie auch glücklich durch die Errichtung des wohlthäiigen Instituts zu Wailzen, welches bereichert durch deine Wohlthat, be­günstigt durch deinen Schutz unter der unmittelbaren Oberaufsicht Einer Hochlöb­lichen Königlichen Ungarischen Statthalterei zu stehen, wolltest ! In kurzer r/eil- frist wird die durch die Erziehung , und den Unterricht gebildete taubstumme Ju­gend Dir ihre kindliche Dankbarkeit darbringen; Gehör- und sprachlose Kinder werden Deinen von jederman geliebten Namen ihres Gnädigsten Wohl- thäters, Ernährers, und Beschützers stammeln lernen. Gerührt durch das erhabene Beispiel unsers Gnädigsten Königs traten auch noch die Hohen unserer Edlen Nation herbei, deren Namen für die nachkommendc Menschheit verewigt sein wird, um diese auf keimende, heilsame Erziehungsanstalt durch ihre Grossmulh zu unterstützen.

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