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Prof. C. Binz: Die Einschleppung der Syphilis in Europa

3 Es folgen die Egypter. Vor einigen Jahrzehnten haben wir über den Zustand ihrer Heilkunde in ältester Zeit reichen Auf­schluss bekommen. Professor G. Ebers entdeckte und erwarb in Oberegypten einen uralten Papyrus, dessen Inhalt eine umfang­reiche Receptsammlung ist und worin die Krankheiten genannt sind, gegen welche die Arzneien gebraucht wurden. Dass unter ihnen Geschwüre an den Geschlechtstheilen erwähnt werden, scheint mir nichts zu beweisen, denn sie kommen auch vor ohne syphi­litische Erkrankung. Nun hat Proksch die in dem Papyrus als „Uchedu“ geschilderte Krankheit auf Syphilis gedeutet. Es ist bei ihr die Rede von Entzündung des Mundes, der Augen und der Knochen, besonders an den Schienbeinen. Es heisst dann ferner: „Sein Unterleib ist schwer, der Mund seines Magens ist krank, sein Herz brennt, seine Kleider hängen schlaff herab, selbst viele Kleider ver­mögen ihn nicht zu erwärmen; in der Nacht quält ihn der Durst, sein Geschmack ist verdorben wie bei einem Menschen, der die Feigen der. Sykomore gegessen hat; sein Fleisch ist abgestorben wie bei einem Menschen, der sich übel befindet; geht er zu Stuhle, so versagt der Leib die Entleerung ... In seinem Unterleibe ist Entzündung, der Geschmack seines Herzens ist krank; wenn er sich erhebt, so gleicht er einem Menschen, den man daran hindert.“ Das alles ist meines Erachtens zu unbestimmt gehalten, um gerade auf Syphilis gedeutet werden zu müssen, es passt ebenso gut auf eine skorbutähnliche Erkrankung. Ausserdem sind die Ursachen jenes Krankseins nicht berührt. Proksch selbst hebt hervor, es sei mit keinem Worte gesagt, dass die geschilderten Symptome durch Ansteckung bei dem geschlechtlichen Verkehr ent­ständen. Ausserdem hat Joachim in Berlin, derselbe, der den Papyrus Ebers übersetzt hat, 1892 eine eingehende Untersuchung* über „Uchedu“ veröffentlicht, worin er zu dem Schlüsse kommt: Uchedu ist nicht Syphilis.' Wegen der alten Inder wandte ich mich an unseren Professor der indischen Philologie H. G. Jacobi. Er sagte mir ungefähr folgendes: Aus den ersten Jahrhunderten n. Chr. existirt eine indische Schrift, Käma^ästra genannt, eine Art Ars amandi, worin unter anderm von allen möglichen Folgen des übermässigen Ge­schlechtsgenusses gesprochen wird; allein der Hinweis auf eine Er­krankung, die der Syphilis ähnlich wäre, fehlt vollständig. Man kann kaum annehmen, dass er fehlen würde, hätten die Inder diese Krankheit gehabt. Dazu kommt nach Jacobi noch ein anderes. Die heutige indische Sprache hat für Syphilis zwei Wörter, Phulinga und Phiranga. Dieses letztere aber bedeutet nicht nur Syphilis, sondern auch Frankenland. Beide Wörter sind nicht altindisch, sondern neu; offenbar also haben wir in dem einen davon einen klaren An­halt, woher Indien seine Syphilis bezogen hat, geradeso wie unsere Vorfahren sie Franzosenkrankheit nannten. Wenn die Beschreibung der Syphilis bei den Schriftstellern des Alterthums irgendwo zu finden sein müsste, so wäre das bei

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