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Fritz Raab: Leonardo da Vinci als Naturforscher

13 anderthalb Jahrtausenden von Claudius Ptolomeus angestellten Untersuchungen über Strahlenbrechung an. Die Bezeichnung Perspective darf uns nicht irre machen, denn die Schriftsteller des Mittelalters von Roger Bacon bis auf Johannes Müller von Königsberg verstanden darunter nach dem Vorgang der Alten die Untersuchungen über das Licht überhaupt, und der Ausdruck Perspective galt ihnen als gleichbedeutend mit Optik. Daher betritt auch Leonardo in seiner Per­spective häufig das Gebiet der allgemeinen Optik. Lange vor Cardanus (1530) und Porta (1558) beschrieb er die Ca­mera obscura: „Wenn die Bilder von beleuchteten Gegen­ständen durch ein kleines rundes Loch in ein sehr dunkles Zim­mer fallen, so sieht man diese Bilder im Innern des Zimmers auf weißem Papier, welches in einiger Entfernung von dem Loche aufgestellt ist, in voller Form und Farbe; sie sind aber in der Größe verringert und stehen aus dem Kopf." Die Ver­kleinerung und Umkehrung des Bildes leitete er, so wie es heute geschieht, von dem Gang der Lichtstrahlen ab, und in seiner genialen Weise zögerte er nicht, diese Entdeckung zur Er­klärung des Sehens zu verwerthen. Die Alten besaßen vom Auge und dem Sehen nur dunkle Vorstellungen, die mehr auf santasievollen Fictioneu als auf den Ergebnissen methodischer Forschung beruhten. So ließen sie irriger Weise die Licht­strahlen durch die Pupille ausströmen, und die Gegenstände beim Sehen gleichsam betasten. Leonardo nun zeigte wie um­gekehrt die Lichtstrahlen in's Auge eindringen und verglich, ge­stützt auf seine anatomischen Kenntnisse des Auges, den Vor­gang beim Sehen mit dem in der Camera obscura, ja er ver­fertigte, um seine Schüler von der Richtigkeit seiner Ansicht zu überzeugen, sogar ein künstliches Auge. Diese wichtige Ent­deckung aber berechtigt den großen Meister mit Johannes Kepler, der etwa hundert Jahre später den mathematischen Rach­(491)

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