Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen

84 Blick unslät, ängstlich, trübe. Der Puls macht 140 bis 160 Schläge in der Minute, ist anfangs bisweilen noch voll und kräftig, wird aber bald klein und schwach. Der Kopf schmerzt gewöhnlich sehr, der Durst ist bald sehr heftig, bald gering, die Zunge wird früh trocken. Die Haut ist heiss und dürr, seltener mit wässerigen Schweisscn bedeckt, die Milch sparsam und dünn. Nicht minder häufig ist die asthenisch torpide Form. Sie besteht entweder ursprünglich, oder bildet sich nach kurzer Krankheitsdauer aus. Der Frost ist bei dieser Form in der Regel heftig, der Puls gleich anfangs sehr schnell, klein und schwach, die Abgeschlagenheit gross, das Gemtith düster gestimmt, voll Todesfurcht. Die Kranken liegen in dumpfer Betäubung auf dem Rücken, das Gesicht ist schmutzig bleich, bisweilen mit einer dunklen umschriebenen Röthe auf den Wan­gen, die Augen, von bleifarbigen Ringen umgeben, sind tief in ihre Höhlen zurückgesunken, starr, wenig bewegt, mit einem trüben oder gleichgültigen Ausdrucke. Angeredet antworten die Unglücklichen mit langsamer Stimme, klagen über Eingenom­menheit des Kopfes, Sausen vor den Ohren; die meisten ha­ben ein Verlangen nach Wein. Die Nächte bringen keinen Schlaf; viele deliriren still vor sich hin. Die welke Haut ist bald brennend heiss, bald kühl oder zerfliesst in klebrigen Schweisscn, die schlaffen Brüste sondern eine sparsame, weiss­graue Flüssigkeit ab, die den trinkenden Säuglingen Kolik­schmerzen erregt. Der Uterus selbst ist gross und schlaff, ein Druck auf denselben verursacht oftj gar keinen Schmerz oder weckt nur ein dumpfes Wehgefühl in der Tiefe, der Mutter­mund ist weit geöffnet, schlaff, wie eingerissen, selten em­pfindlich, der profuse, anfangs schmutzig blutige Ausfluss wird später schwärzlich, jauchig und verbreitet einen stechen­den, säuerlichen Geruch. Das auf der Schleimhaut und in die Substanz des Uterus ergossene Exsudat nimmt, wie schon früher bemerkt wurde, vorzugsweise leicht einen septischen Character an. Dies ist bei den asthenischen Formen der Endometritis fast immer der Fall. Der Grund liegt theils in der durch den Geburtsact bewirkten Erschöpfung des Uterus, theils in der stärkeren Zer-

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