Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen

85 setzuug der Materie, die überhaupt während des Wochenbet­tes in demselben Statt hat. Bei der Leichtigkeit, mit welcher die Resorption auf der Piacentarwundfläche vor sich geht, legt diese örtliche Verjauchung des Exsudates sehr häufig den Grund zu einer allgemeinen Sepsis des Blutes, die mit Pe­techienbildung , übelriechenden, colliquativen Secretionen und Brand einzelner Theile einhergeht. Seltener besteht dieselbe ursprünglich. §. 68. Die Endometritis macht eben so, wie die Peritonitis und Metrophlebitis selten das einzige Localleiden im Kindbett- lieber aus, sondern ist in der Regel noch mit Entzündungen in anderen Organen combinirt, die sowohl in Bezug auf ihren Sitz, als ihren Verlauf manches Eigenthümliche darbieten. Sie kommen theils innerhalb, theils ausserhalb des Sexualapparates vor und sind, namentlich die ersteren, meistens in der primären, sel­tener in einer secundären Blutcrasis begründet. Die Entzündung der Tubenschleimbaut, welche fast nie bei Endometritis vermisst wird und wohl immer auf einer Aus­breitung der Entzündung vom Uterus her beruht, macht sich während des Lebens nicht durch Symptome bemerkbar. Eine der gewöhnlichsten Complicationen, die dagegen selten bei den übrigen Formen erscheint, ist die Entzün­dung der Vaginalschleimhaut. Sie entsteht als primäre Affec­tion entweder durch allmäliche Ausbreitung des Uterinleidens, oder ist gleich ursprünglich mit demselben combinirt, weniger oft verdankt sie einer secundären Blutsentmischung ihren Ur­sprung. Die Scheide wird heiss und schmerzhaft, die kranke Schleimhaut ist dunkel geröthet und mit verschiedenartigem Exsudate bedeckt; zugleich sind die äusseren Genitalien ange­schwollen, heiss und empfindlich. Selten ist die Scheide in ihrer Totalität ergriffen, öfter leidet nur der obere Theil der­selben, in der Regel aber hat die Affection in dem Scheideu- eingange ihren Sitz. Hier erscheinen zumal an der hinteren Wand oder auf der inneren Fläche der grossen und kleinen Schaamlippen dunkelrothe oder bläuliche Flecken von der Grösse eines Silbergroschens bis zu der eines Thalers. Bisweilen be­schränkt sich das Ucbel auf eine Abschilferung des Epitheliums und die wunden Stellen überhäuten sich bald; gewöhnlich aber

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