Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)
Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen
77 Krankheitsdaucr wird die Gelenkkapsel durch Eiterung· zerstört und durchbrochen, die benachbarten Gewebe entzünden sich, die Knorpel werden durch Maceration aufgelöst und Caries der blosgelegten Knochenenden ist die unausbleibliche Folge. §. 60. Seltener, aber ebenfalls häufiger als bei Peritonitis wird eine secundäre Entzündung der Synchondrosenknor- pel des Beckens beobachtet, besonders der Schaambeinvcrbin- dung, mit eiteriger oder jauchiger Schmelzung des Exsudates. Diese Affection giebt sich in der Regel durch heftige, klopfende Schmerzen zu erkennen, die bei Bewegungen zunehmen; alsbald erhebt sich an der kranken Stelle eine begränzte, fluctuirende, bei Berührung empfindliche, meist farblose Geschwulst. Wird dem Eiter jetzt nicht künstlich ein Ausweg verschafft, so wird der Knochen cariös und die das Gelenk umgebenden Weichtheile oft in bedeutendem Umfange zerstört. Selten erfolgt ein spontaner Durchbruch nach aussen. In anderen Fällen entwickelt sich das Leiden ohne Schmerzen und mit so geringer Anschwellung, dass erst die Section die Vereiterung oder Verjauchung der Knorpel zur Kenntniss bringt. §. 61. Sehr oft wird das subcutane und intermusculäre Zellgewebe der Sitz einer secundären Entzündung, die schnell ein eiteriges oder jauchiges Product setzt. Die Entzündung ist mehr oder minder begränzt und erscheint vorzugsweise an den Extremitäten, namentlich den oberen und in der Nähe der Gelenke, nächstdcm „in der Nähe der Genitalien, in der Gesäss- Lumbar- oder einer anderen Beckengegend, an den grossen Schaamlippen, selten an anderen Stellen des Rumpfes. Unter Steigerung des Fiebers und lebhaften reissenden Schmerzen erhebt sich eine umschriebene, heisse, pralle Geschwulst, über der bei oberflächlichem Sitze die Haut gleich anfangs geröthet ist und die sehr bald deutliche Fluctuation zeigt. Nicht selten richtet der Eiter grosse Verwüstungen in der Tiefe an, ehe es zum Aufbruche kommt, die Muskeln werden in einen schmutzigen Brei verwandelt, Zellgewebe und Bänder zerstört, die Knochen blosgelegt und cariös. Hat die Entzündung sehr tief, z. B. im Zellgewebe unter den Gesässmus- keln ihren Sitz, so vergeht oft eine Woche und darüber, ehe der Eiter bis an die Oberfläche vordringt. Der Druck auf den