Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)
Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen
78 Nervus ischiadicus ruft alsdann oft heftige Schenkelschmcrzen hervor, die mit der Entleerung· des Eiters schwinden. Kommt es zum Aufbruche, so spitzt die Geschwulst sich zu, die Rö- the der Haut wird dunkler und mit dem Durchbruche entleert sich Eiter oder Jauche in reichlicher Menge. Bisweilen geht die Haut in beträchtlichem Umfange durch brandige Zerstörung verloren und die Verschwärung greift schnell in die Breite und in die Tiefe bis auf die Knochen um sich. Selten ist die Exsudation gleich anfangs über eine grössere Strecke verbreitet und cs bleibt nach dem Erblassen der Röthe und dem Aufhören der Schmerzen eine farblose, iluctuirende, eiterhaltige Geschwulst zurück. Unter diese Kategorie sind manche Fälle der sogenannten Phlegmasia alba dolens zu rechnen. §. 62. Eine der seltensten Erscheinungen ist die secun- däre Entzündung des Auges. Sie befällt anfangs immer nur ein Auge, später bisweilen auch das andere, doch meist in geringerem Grade. Der Augapfel ist stets in seiner Totalität ergriffen. Unter massigen brennenden Schmerzen, oft ganz ohne dieselben, röthet sich plötzlich die Conjunctiva bulbi und schwillt wallartig an, bisweilen so stark, dass die Augenlieder nicht geschlossen werden können, die Röthe ist hald heller, bald dunkler durch Blutaustritt, die Iris ist starr und unbeweglich , die Pupille eng contrahirt, das Sehvermögen gleich anfangs erloschen, ohne dass Lichtscheu vorhergegangen wäre. Bald trübt sich die Cornea und wird undurchsichtig, die Iris wird schmutzig entfärbt, die Pupille winklig verzogen, in der Flüssigkeit der Augenkammern erscheinen einzelne Faserstoff- flocken, später wirklicher Eiter. Der Augapfel schwillt mehr und mehr an und wird unter drückenden, pressenden Schmerzen aus der Orbita hervorgetrieben. Die Cornea löst sich durch eiterige, seltener jauchige Schmelzung ah, oder berstet, Eiter und Jauche ergiessen sich, der Augapfel collabirt und sinkt für immer vernichtet in seine Höhle zurück. §. 63. Häufig dagegen ist ein secundäres Leiden der äusseren Haut, das sich unter verschiedenen Gestalten darstellt. Bald erscheint, ähnlich wie bei Peritonitis, an verschiedenen Stellen des Körpers ein oberflächliches, mehr oder minder intensiv gefärbtes Erythem, das gewöhnlich mit einer kleienartigen