Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)
Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen
76 seltenen Folgen der Eiterinlection. Das Leiden der Pleura, des Pericardiums und der Arachnoidea bietet in dieser Beziehung nichts Eigenthünilichcs dar, wodurch es sich von der gleichnamigen Affection hei Peritonitis unterschiede. In Betreff der secundären Arachnitis muss jedoch erinnert werden, dass bei Metrophlebitis bisweilen gegen das Ende der Krankheit ein Anfall von Manie eintritt, ohne dass die Section eine Veränderung- im Gehirne und seinen Häuten nachweist. Der Grund dieser Manie ist keineswegs aufgeklärt, vielleicht liegt er in der Einwirkung des kranken Blutes; mit Sicherheit darf jedoch die Beimischung von Eiter nicht als Ursache angeklagt werden. Diese Manie kommt zu manchen Zeiten häufiger vor und befällt oft an einem Tage mehre Individuen. Die Kranken werden unruhig, aufgeregt, schwatzen mit grosser Lebhaftigkeit, wollen beständig das Bett verlassen. Plötzlich brechen Delirien aus, bald furibund, bald heiter, selbst poetisch. Dabei ist das Gesicht aufgetrieben und geröthet, oft aber auch blass, der Puls sehr beschleunigt. Nach einigen Stunden kehrt das Bewusstsein zurück. Bisweilen wiederholt sich der Anfall am folgenden Tage; in anderen Fällen geht gleich der erste Anfall in einen tödtlichen Sopor über. Die Prognose ist im Allgemeinen sehr schlecht. Bisweilen gelang es den drohenden zweiten Anfall durch Opium zu coupiren. Ungleich häufiger als bei Peritonitis kommt cs bei Metrophlebitis zu einer eiterigen Exsudation auf den Synovialkapseln der Gelenke. Vorzugsweise werden das Knie-, Ellenbogen- und Schultergelenk ergriffen, seltener die Rippen-, Unterkiefer - und Schliisselheingelenke. Die Symptome sind oft sehr gering und beschränken sich auf eine leichte Anschwellung mit gehinderter Bewegung; gewöhnlich aber geschieht die Exsudation unter heftigen Schmerzen, die durch jeden Versuch zur Bewegung gesteigert werden; Ilöthe fehlt in der Regel ganz, die Temperatur ist nur unbedeutend erhöhet, ausser wo die AfTection sich auf die angränzenden fibrösen und zellgewebigen Gebilde verbreitet; alsdann entsteht bei Leiden des Kniegelenkes der Anschein einer sogenannten Phlegmasia alba dolens. Nicht selten werden mehre Gelenke nach einander in raschem Wechsel befallen. Bei längerer