Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen

Phlegmasia alba dolens dar. Nachdem die Zufälle der Metro­phlebitis zwei bis drei und mehr Tage bestanden, gesellen sieb Schmerzen naeli dem Verlaufe der Schenkelvene hinzu. Diese ist strangartig angesehwollen und gegen Berührung em­pfindlich. Vom Oberschenkel abwärts oder vom Unterschenkel aufwärts breitet sich eine anfangs ödematöse Anschwellung über die ganze Extremität aus, die allmälieh derber und fester wird, so dass der Fingerdruck keine Grube mehr hinterlässt. Dabei ist die Haut im Beginne oft erythematös geröthet, verblasst je­doch bald; in selteneren Fällen tritt die Böthung erst später in Folge der stärkeren Spannung hinzu. Fast immer sind die oberflächlichen Venen sehr stark entwickelt, oder, wenn sie selbst von der Entzündung ergriffen sind, als höckerige Strän­ge durchzufühlen. Die Bewegung des Gliedes ist mehr oder weniger behindert und schmerzhaft, eine massig gebeugte La­ge wird von den Kranken am besten ertragen. Die Anschwel­lung des Schenkels ist theils eine Folge der Exsudation, die durch das mechanische Hinderniss der Circulation entsteht, theils beruht sie auf einer directen Thcilnahme des die Venen um­gebenden Zellgewebes an der Entzündung. Sie ist daher, je nachdem das eine oder das andere Moment vorwaltet, bald, namentlich am Unterschenkel weicher, kälter und unempfindli­cher, bald fester, heisscr und schmerzhaft^ letzteres um so mehr, je weiter sich die Entzündung in die feineren Verzwei­gungen der Venen fortgesetzt hat. Das Exsudat ist bald se­rös, bald gallertartig; der Uebcrgang desselben in Eiter er­folgt sehr selten und dann nur stellenweise, so dass in Ab­sätzen kleine Abscesse nach dem Laufe der Venen erscheinen. Gewöhnlich wird nur ein Schenkel befallen, aber häufig brei­tet sich die Affection auf die Schaamlippe und das Gesäss der leidenden Seite aus. Nicht selten sind diejenigen Fälle, wo gleich im Beginne der Metrophlebitis die Schenkelvene schmerz­haft wird und eine gelinde strangartige Anschwellung bildet, die sich nach einigen Tagen Mieder verliert, ohne bei der Section nachweisbare Spuren zu hinterlassen. Die fortgeleitete Entzündung der Venae spermaticae ist der Diagnose unzugänglich; selbst die Entzündung der Vena cava macht nicht immer bedeutende Symptome. Kiwisch bco­Litzmann, Kindbettfieber. X

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