Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen

56 Exsudates nicht sehr gross, so geht die Resorption meist rasch von Statten, schon nach einigen Tagen ist alles Fieber ver­schwunden und die Kranken erholen sich sehr schnell. Zur Re­sorption eines bedeutenden Exsudates ist dagegen gewöhnlich längere Zeit erforderlich, das Fieber hält alsdann oft noch mehre Wochen an, bald stärker, bald schwächer, mit einem mehr oder minder deutlichen hectischenAnstrich; der Leib bleibt stellen­weise empfindlich und fühlbare Unebenheiten und Härten bezeich­nen den Hauptsitz der früheren Entzündung, zumal bei abge­sacktem Exsudate; die Reconvalescenz schreitet nur langsam vor­wärts und selbst Monate lang klagen die Kranken über her­umziehende Schmerzen, eine paralytische Betäubung der Glieder und unwillkürlichen Stuhlabgang. §. 42. In anderen Fällen geschehen die Ausscheidungen durch die Secretionsorganc gar nicht, oder nur unvollkommen, die durch die Resorption des Exsudates entstandene Blutcrasis ruft vielmehr Exsudationen, oder mehr oder minder entzünd­liche Processe in andern Gebilden und Organen hervor, es bil­den sich sogenannte Metastasen. Sie kommen tlieils auf se­rösen Häuten, theils im Zellgewebe, theils auf der äusseren Haut vor, sehr selten in anderen Organen. Es sind bald ein­fache, wässerige Ausscheidungen, wenn vorzugsweise eine Auf­nahme von Serum Statt gefunden hatte, bald entzündliche, rasch in Eiter sich umbildendo Exsudationen, wenn aufgelöste Eiter­zellen ln grösserer Menge, zumal schnell resorbirt w orden wa­ren, bald erscheinen sie auf der äussern Haut als erythematose Entzündung·. Meistens stehen sie mit der Abnahme der Flüs­sigkeit in der Bauchhöhle in einem geraden Verhältnisse. Sie bedingen oft in ihrem Auftreten eine Steigerung des Fiebers und geben einen Reiz für die Unterhaltung desselben ab, um so mehr, je ausgesprochener sie den entzündlichen Character an sich tragen. Unter den serösen Häuten wird am häufigsten die Pleura der Sitz der Metastase, Die metastatische secundäre Pleuritis tritt gewöhnlich in den letzten Lebenstagen ein und beschleu­nigt das tödtliche Ende. Sie characterisirt sich durch die be­kannten subjectiven und objectiven Symptome und unterschei­det sich von der oben erwähnten coinbinirten primären Pleuritis

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