Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen

besonders durch ihr späteres Auftreten und die gleichzeitige Abnahme des Peritonäalexsudates, in Folge deren das herauf­gedrängte Zwerchfell nun von der Brusthöhle aus wieder her- abgcdrüékt wird. Ein bloss seröser Erguss in den Pleura­sack bringt ausser den mechanischen Effecten gewöhnlich nur geringe Symptome hervor. Die metastatische Affection des Herzbeutels pflegt sich auf eine geringfügige, wenig plastische, selten eiterige Exsu­dation zu beschränken. Angst und Schmerz fehlen dabei oft ganz, durch Auscultation und Percussion ermittelt man biswei­len Reibungsgeräusch und matte Percussion, in der Regel aber geben beide keinen Aufschluss, zumal da die Erscheinungen in den meisten Fällen durch ein gleichzeitiges plcuritischcs Exsu­dat verdeckt werden. Bedeutender sind die Symptome, welche die metastati­sche Entzündung der Arachnoidea begleiten. Gewöhnlich ist die Arachnoidea des Gehirnes ergriffen, am häufigsten dann, wenn schon im Beginne der Krankheit starke Kopfschmerzen be­standen. Unter eongestiven Erscheinungen treten heftige, oft furibunde Delirien ein, die bald längere, bald kürzere Zeit anhaltcn, bisw-eilen mit freieren Intervallen wechseln, meistens aber in einen Sopor übergehen, aus dem die Unglücklichen nicht wieder erwachen. Andere Kranke verfallen gleich anfangs in einen comatösen Zustand, sie liegen bewusstlos da, mit star­ren, erweiterten Pupillen, hören schwer, antworten unzusammen­hängend mit lallender Stimme. Zuweilen kehrt dann auf kurze Zeit das Bewusstsein zurück. Sehr selten ist die Arachnoidea des Rückenmarkes der Sitz der Affection. In einem von mir beobachteten Falle fand am 6. Tage der Krankheit unter gros­ser Schmerzhaftigkeit der Halswirbel ein unablässiges, auto­matisches Hin- und Herschlcudern des Kopfes Statt, das nach der Application von Blutegeln in den Nacken aufhörte. §. 43. Auf der äusseren Haut erscheint die Metastase un­ter der Form einer erythematösen Entzündung. Die Haut wird an verschiedenen Stellen in bald grösserem, bald kleinerem Umfange stark geröthet, fühlt sich fester als gewöhnlich an und schmerzt namentlich bei Berührung. Nach einigen Tagen lässt die Schmerzhaftigkeit nach, die Röthe erblasst und eine 57

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