Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen

kommen war, oder diese einen solchen Grad erreicht hatte, um durch die Untersuchung· ermittelt zu werden; doch hat man sie in einigen Epidcmieen häufiger beobachtet. Die Ausscheidun­gen, die hier eine kritische Bedeutung haben, sind, je nach dem Character des Exsudates und dem Modus der Resorption, bald mehr seröser, bald eiteriger Natur. Das gewöhnliche Ausscheidungsorgan sind die Nieren; die Kranken lassen 5 bis 6 Tage lang und darüber grosse (Quantitäten eines hellen, wässerigen Urines, bisweilen mit ei­nem eiterigen Sedimente; in anderen Fällen ist die Menge des Urines nicht gérade vermehrt, aber das Eitersediment in dem­selben so bedeutend, dass es selbst über ein Dritttheil der Flüs­sigkeit beträgt. Seltener geschieht die Ausscheidung durch den Darmkanal. Auf die Beschaffenheit der Stuhlgänge ist die grössere oder geringere Hartnäckigkeit der gewöhnlich vor­hergehenden Verstopfung von Einfluss. Sie sind reichlich, bald durch verhaltene Gallenstoffc und Fäcalmaterien dunkel grün­lich oder braun gefärbt, breiartig, stinkend, bald eiterig mit häutigen Flocken, bald schleimig serös. Letztere namentlich, auch wenn sie anfangs erleichterten, führen hei längerer Dauer doch leicht Erschöpfung herbei. Auch will Helm die Beobach­tung gemacht haben, dass die kritischen Darmausleerungen eine verhältnissmässig geringere Abnahme des Exsudates bewirken, als die Ausscheidungen durch die Nieren. Eine vermehrte Haut- secretion, die sich gegen Morgen nach abendlicher Fieberex­acerbation einstellt und oft längere Zeit in derselben Weise täg­lich wiederholt, ist nicht selten von günstiger Bedeutung gefunden, doch mögte sie wohl kaum jemals für sich allein hinreichend sein, um ein einigermassen beträchtliches Exsudat zu entfer­nen. In einzelnen Fällen hat man auch gesehen, dass die Spei­cheldrüsen die Rolle des Ausscheidungsorgancs übernahmen, es trat eine sehr reichliche Salivation ein, ohne dass irgend­wie Mercur angewandt worden wäre. Mit dem Eintritte der kritischen Ausscheidungen lassen das Fieber, die Schmerzen und die Auftreibung des Leibes nach, die Locliial- und Milclisccretion wird reichlicher oder kehrt wieder, wenn sie unterdrückt war, falls nicht die Krank­heit bereits zu lange gedauert hatte. War die Menge des

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