Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Viertes Kapitel. Aetiologie des Kindbettfiebers §. 81-91

113 nicht stillenden Wöchnerinnen nachgewiesen. Das Nervensystem befindet sich nach der Geburt immer noch in einem mehr oder minder gereizten Zustande, der durch die neuen Veränderungen unterhalten wird. Daher die Neigung zu nervösen Affecten mancherlei Art, die unter die weite Rubrik der Spinalirritation fallen. Bemerkenswerth ist endlich noch die Immunität gegen manche Krankhcitsprocesse, von der später ausführlicher die Rede sein soll. §. 86. Wir haben demnach in der Puerperalconstitution einen eigentümlichen Lebenszustand in den Generationsorga­nen, eine veränderte Blutmischung und ein gereiztes Nerven­system vor uns. Nicht blos die Anlage zum Erkranken über­haupt ist gesteigert, sondern auch gewisse Organe sind vor­zugsweise dafür disponirt, den Krankheiten selbst ist von vorn herein ein besonderes Gepräge aufgedrückt. Auf diesem ei­gentümlichen Boden erzeugt das Miasma jene specifische Krankheit des Blutes, die wir als Grundursache der Erschei­nungen im Kindbettfieber kennen gelernt haben. Einige haben gemeint, das Kindbettfiebermiasma sei kein specifisches, son­dern falle mit anderen Miasmen zusammen und bringe bei Nicht- Wöchnerinnen andere Krankheiten hervor. Namentlich hat man das Erysipelas- oder Scharlachmiasma als identisch mit dem­selben angesehen, allein mit Unrecht. Die Beobachtungen, welche dies beweisen sollen, zeigen nur, dass die genannten Krankheiten häufig zu gleicher Zeit herrschen und somit vielleicht in ätiologischer Beziehung eine gewisse Verwandtschaft besitzen, nicht aber, dass sie identisch sind. Denn Scharlach sowohl, als Erysipelas kommen nicht selten auch bei Wöchnerinnen vor, die Puerperalconstitution ist mithin nicht das einzige Mo­ment, welches die Entstehung des Kindbettfiebers bedingt. Wohl aber ist ihre Mitwirkung nothwendig, denn auf Schwan­gere und Nicht-Wöchnerinnen äussern weder das Miasma, noch das Contagium irgend eine Wirkung. Joseph Clarke, ßoer und Andere nehmen freilich, wenigstens für die asthenischen Formen des Kindbettfiebers, zumal der Endometritis, eine In­fection schon während der Schwangerschaft an. Die Gründe, welche sie für ihre Meinung anführen, sind folgende: manche der Kranken bekommen schon in der letzten Zeit der Litzmann, Kindbettfieber. g

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