Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Viertes Kapitel. Aetiologie des Kindbettfiebers §. 81-91

114 Schwangerschaft ein cachectisches Ansehen, ihr Gemüth wird trübe und düster gestimmt, sie klagen über periodische, zie­hende oder brennende Schmerzen in der Unterbauchgegend und nach den Schenkeln abwärts; die Wehen sind träge oder un­gewöhnlich schmerzhaft, der Puls während der Geburt lang­sam und schwach, bei einigen stellt sich ein Schüttelfrost ein; die Kinder kommen nicht selten todtfaul zur Welt, oder sterben in den ersten Lebenstagen an Erysipelas, Trismus, Pleuritis oder Peritonitis mit eiterigem Exsudate; endlich bricht die Krankheit bei scheinbar Gesunden bisweilen schon wenige Stun­den nach der Geburt unter der septischen Form aus und endet tödtlich noch an demselben Tage. Allein bei Weitem die Mehrzahl der Schwangeren zeigt während einer Epidemie keine Spur eines Krankseins, ein grosser Theil wird erst kreissend in die Anstalten aufgenommen; die angegebenen Erscheinungen während der Schwangerschaft und Geburt werden nicht selten auch ausser der Zeit einer Epidemie beobachtet, sie kommen während derselben auch bei solchen vor, die vom Kindbettfie­ber verschont bleiben, sie sind überhaupt nur Zeichen eines pathologischen Zustandes, der in vielen Fällen durch das auch sonst nicht ungewöhnliche Absterbeu der Kinder bedingt sein mag, der vielleicht die Betroffenen für das Kindbettfieber vorzugsweise disponirt, keineswegs aber selbst schon Kindbettfieber ist; die Sterblichkeit unter den Kindern weist nur auf verbreitete schädli­che Einflüsse hin, sie ist auch ohne eine gleichzeitige Kindbettfieber- epidemie zu manchen Zeiten nicht unbeträchtlich und während einer solchen durchaus nicht auf die Kinder der Erkrankten beschränkt; der schnelle Eintritt und Verlauf der Krankheit hat nichts Be­fremdendes, man nimmt ihn auf der Höhe der Epidcmiecn, wenn das Contagium eine gewisse Intensität erlangt hat, auch bei anderen epidemischen Krankheiten wahr, z. B. der Pest; Ich selbst sah ihn so bei einer Wöchncrinn, die Abends zu­vor aus einem mehre Stunden entfernten Dorfe kreissend in die Anstalt gekommen war; dagegen wurde 1840 in Berlin von sämmtlichen Schwangeren, die wegen des Umsichgreifens der Epidemie aus der Anstalt entlassen werden mussten, keine nach der Geburt in ihrer Heimath vom Kindbettfieber befallen. Für die spontane Genesis des Kindbettfiebers ist also das Zu-

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