Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Viertes Kapitel. Aetiologie des Kindbettfiebers §. 81-91

110 gen, den Dickdarm, die Blase, die Gefässe und Nerven der Bauch- und Beckenhölile ausübt, gehen wichtige Umwand­lungen in dem Allgemeinbefinden vor sich. Sic beziehen sich theils auf das Blut, theils auf das Nervensystem. Das Blut, als der Mittelpunct der thierischen Vegetation, muss noth wendig in der Schwangerschaft eine andere Beschaffenheit gewinnen. Der in so reger Entwickelung begriffene Uterus muss andere Stoffe demselben entziehen, andere zurückgeben, als der ru­hende im jungfräulichen Zustande; die vierwöchentliche Aus­scheidung eines faserstoffloscn aber farbestoffreichen Blutes durch die Menstruation hat aufgehört ; die Ernährung des Fötus geschieht zum grössten Theile aus dem Blute der Mut­ter und wenn wir auch den dadurch ausgeübten Einfluss im Einzelnen noch wenig kennen, so dürfen wir ihn doch keines­falls gering anschlagen: ich will hier nur erinnern an Donne’s Beobachtung über die Verminderung des phosphorsauren Kal­kes in dem Urine der Schwangeren, an das bei Menschen und Thieren wahrgenommene Weichwerden der Knochen durch Entziehung der Erdsalze, an die gehinderte Verknöcherung des Callus bei Knochenbrüchen. Die beginnende Milchse- cretion setzt ferner eine Umwandlung des Blutes voraus, die sich auch in anderen Secreten zu erkennen giebt; die soge­nannte Kyesteine im Urine ist nach Lehmann’s Untersuchungen ein Gemenge von butterartigem Fett, einer dem Käsestoff ähn­lichen Proteinverbindung und phosphorsaurer 31agnesia; die Hautsecretion ist gewöhnlich vermindert, das Athmen beschränkt, Haut- und Lungenausdünstung haben oft einen cigenthündichen Geruch — Gründe genug, um auf eine Umänderung des Blutes mit Sicherheit zu schliessen. Einen endlichen Beweis liefert noch der sichtbare Einfluss der Schwangerschaft auf manche Blutskrankheiten, z. B. die Bleichsucht, verschiedene dyskrasische Hautaffectionen, eben so die Immunität schwange­rer Frauen gegen den Typhus. Freilich ist uns das Nähere dieser Blutsumänderung, wie überhaupt aller abweichenden Bluts­mischungen noch ziemlich unbekannt; wir wissen nur, dass der Fa­serstoff und nach Simon auch das Fett vermehrt, das Eiweiss aber ' und die Blutzellen, wenigstens relativ, vermindert sind und dass un­ter den letzteren sich auffallend viele kernhaltige befinden. Wahr-

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