Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Viertes Kapitel. Aetiologie des Kindbettfiebers §. 81-91

Ill scheinlich ist auch das Blut reicher an kohlenstoffhaltigen Produc- ten; dafür sprechen die Pigmcnlablagerungen im Warzenhofe, in der Linea alha und bei manchen Frauen auch im Gesiclitc und am übrigen Körper, nicht selten in beträchtlicher Ausdehnung·. Die Veränderungen, die im Nervensysteme der Schwan- g'eren vor sich g-ehen, äussern sich vorzugsweise durch eine gesteigerte Reflexerregbarkeit, die theils von der veränderten Mischung des Blutes, theils und hauptsächlich von der Ein­wirkung des örtlichen Erregungszustandes in den Genitalien­nerven auf die Centralorgane hergeleitet werden muss. Sie liegt der ganzen Reihe sogenannter sympathischer Affecte zum Grunde, die namentlich in den ersten Schwangcrschafts- monaten so häutig sind, dass sic kaum noch als pathologisch angesehen werden. In der Regel sind die Erscheinungen auf die eine oder die andere Nervenparthie beschränkt und von einer bald mehr, bald weniger lebhaften Empfindlichkeit der entsprechenden Wirbel begleitet, ihre grösste Höhe und Aus­breitung erreichen sie in der Eclampsia parturientium, wo durch den stärkeren Reiz der Wehen das ganze Rückenmark aufgeregt wird und antagonistisch eine Lähmung des Gehirnes erfolgt. Nach dem Ablaufe von neun Monaten tritt die Geburt ein. Geistige und körperliche Aufregung treffen hier zusam­men, die Schmerzen erreichen oft einen sehr bedeutenden Grad; nicht blos die Muskelfasern des Uterus, auch die willkiihrlichen, vorzugsweise die Bauch - und Beckenmuskeln sind in ange­strengter Thätigkeit, gegen das Ende der Geburt findet ge­wöhnlich ein fast fieberhafter Zustand Statt. Der Uterus wird nothwendig mehr oder minder gequetscht, seine grossen ve­nösen Sinus werden an der Placcntarstelle zerrissen und eine nicht unbeträchtliche Blutung ist immer die Folge. §. 85. Fassen wir nun nach diesen Antecedentien den Zustand einer Wöchnerinn ins Auge, so sehen wir eine Ver­wundete, die durch geistige und körperliche Aufregung, so wie den gehabten Blutverlust mehr oder minder erschöpft ist, in der aufs Neue das Vcrhältniss der Organe unter einander sich ändert und mit der erhöheten Thätigkeit der Brüste das Leben der Beckengenitalien in den Hintergrund tritt. Rück-

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