Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)
Viertes Kapitel. Aetiologie des Kindbettfiebers §. 81-91
109 physiologischen Processe cies Wochenbettes. Das Wahre an der Sache ist aber nur, dass diese in Folge des Ivindbcttfie- bers meistens gestört sind und andererseits, dass die Störung derselben Ursache mancher Krankheiten werden kann, die aber darum, weil sie bei Wöchnerinnen Vorkommen, noch nicht den Namen des Kindbettfiebers verdienen. §. 84. Die Puerperalconstitution geht mit Nothwendig- keit aus den durch die Schwangerschaft und die Geburt in dem weiblichen Organismus gesetzten Veränderungen hervor. Zum besseren Verständnisse wollen wir daher diese hier in der Kürze berühren. Die Schwangerschaft ist theils durch örtliche Metamorphosen in den Generationsorganen, theils durch Umänderungen in dem Allgemeinbefinden characterisirt. An den Reizzustand in den Begattungsorganen schliessen sich zunächst die Erscheinungen der Congestion in den Ovarien und Tuben an, das Ei tritt aus seiner Hülle hervor, wird von den Tuben, die das Ovarium umfasst haben, aufgenommen und theils durch die peristaltischen Contractionen, theils durch die Flimmerbewegung in denselben dem Uterus zugeführt. Dieser erfährt bei Weitem die wichtigsten und dauerndsten Veränderungen. Schon vor dem Eintritte des Eies bat sich in ihm die Decidua gebildet und die Menstruation aufgehört. 1st das Ei eingetreten, so wächst der Uterus gleichzeitig mit seinem Inhalte, seine Nerven und Muskelfasern entwickeln sich stärker, seine Gefässc nehmen an Zahl und Umfang zu, besonders au der Placentarstelle, seine Grösse, Form und Lage ändern sich; mit ihm dehnt das Peritonäum sich aus und die breiten Mutterbänder werden entfaltet. Die ganze Bcckenparthie gewinnt an Umfang, Muskeln und Zellgewebe werden blutreicher und voller, das knöcherne Becken erlangt erst jetzt vollständig seine weibliche Form. Etwas später als im Uterus beginnt die Entwickelung in den Brüsten; in den letzten Monaten der Schwangerschaft wird schon eine milchähnliche Flüssigkeit von denselben abgesondert, die statt des Käsestolfes noch Eiweiss, wenig Fett und keinen Zucker enthält. Neben diesen örtlichen Veränderungen in den Generationsorganen und den mechanischen Folgen des Druckes, den der ausgedehnte Uterus auf die Lungen, die Leber, den Ma-