Grosse, Johannes dr.: Ignaz Philipp Semmelweis, der Entdecker der Ursache des Kindbett-Fiebers (Leipzig-Wien, 1898)

Dritter theil. Seine Anerkennung nach dem Tode

41 ERSTES KAPITEL. Das erste Werk über die Verdienste you Semmelweis. Nur allmählich vermochte die Seinmelweis’sclie Lehre zur Anerkennung zu gelangen. In vielen Büchern, wo seiner Lehre hätte Erwähnung getlian werden müssen, wurde Semmelweis gar nicht genannt. Mau sucht daher oft seinen Namen vergeblich, wie auch selbst sein Hauptwerk nur in wenigen medicinischen Bibliotheken zu finden ist. Oft liess man ihm nur eine theilweise Anerkennung wider­fahren, die von offenbaren Unrichtigkeiten begleitet ist. Namentlich wurde immer und immer wieder der durch Ein­sichtnahme in die Quellen leicht zu vermeidende Irrthum ver­breitet, als ob Semmelweis nicht bereits im Jahre 1847 gelehrt habe, dass das sogenannte Leichengift nicht ausschliesslich als Ursache des Puerperalfiebers angesehen werden könne. Man beschuldigte daher Semmelweis immer und immer wieder der ^Einseitigkeit“.32) Es hat oft den Anschein, als ob Semmelweis etwas Un­rechtes getlian hätte. Manchem scheint es sehr schwer gefallen zu sein, Semmel weis voll anzuerkennen. Im Jahre 1872 erschien in Ungarn, wo man das Verdienst von Semmelweis niemals geleugnet hat, eine Denkrede auf den­selben. Sie stammte von Dr. Josef Fleischer in Pest und ist ihrer ungarischen Sprache wegen den meisten unzugänglich geblieben.33) 32) Vergl. Bruck, p. 35. 33_) Vergl. Hegar, p. 49. — Mittheilungen von Prof. Dr. Wilhelm Tauffer in Budapest.

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