Grosse, Johannes dr.: Ignaz Philipp Semmelweis, der Entdecker der Ursache des Kindbett-Fiebers (Leipzig-Wien, 1898)

Dritter theil. Seine Anerkennung nach dem Tode

42 Erst Professor Alfred Hegar zu Heidelberg ist es gewesen, der in den Kreisen, wo es so überaus nothwendig war, das Ver­dienst von Semmelweis ganz und voll würdigte, und zwar in seinem Werke: „Ignaz Philipp Semmelweis. Sein Leben und seine Lehre, zugleich ein Beitrag zur Lehre der fieberhaften Wund­krankheiten.“ Dem vortrefflichen Werke ist eine Abbildung in Lichtdruck beigegeben worden, welche Ignaz Philipp Semmelweis im Alter von 43 Jahren (1861) darstellt. LI eg a r beginnt mit den bemerkenswerten Worten: „Wenn wir eine bedeutende Entdeckung geschichtlich ver­folgen, so interessiert uns vor allem der Weg, auf welchem sie gefunden ist, und der Finder selbst. Das Interesse wird erhöht, unsere menschliche Theilnahme in Anspruch genommen, wenn sich ein tragisches Schicksal ankniipft, wenn wir einen beim Bau unseres Wissensgebäudes verunglückten Arbeiter vor Augen haben. Wir suchen nach den Ursachen des vor unsere Blicke gestellten Martyriums. Spielten die Zeitverhältnisse, insbesondere der gleichzeitige Stand der Wissenschaft, die Richtung und der Gang der For­schung die Hauptrolle, lag das ausschlaggebende Moment in der Persönlichkeit des Betheiligten oder tragen die Zeit- und Berufs­genossen den Hauptantheil? Wir werden uns fragen, ist die Schuld, wenn eine solche vorhanden war, gesühnt? Ist dem Märtyrer die Anerkennung, welche während des Lebens fehlte, wenigstens nach dem Tode zu tlieil geworden? Nur zu häufig fehlt ja selbst diese spät eintretende Gerech­tigkeit. Der Wert einer jeden neuen Wahrheit ist stets nur ein relativer, Die Schätzung derselben richtet sich nach dem Zu­stande der zur Zeit ihrer Entdeckung herrschenden Ansichten und Lehren. Je weiter sie über das Niveau derselben hinausgieng, desto grösser der Wert und das Verdienst. Die Nachkommen erinnern sich häufig nicht mehr jener Zustände und in unserer schnell lebenden und vorwärts drängenden Generation sind sie gewöhnlich

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