Grosse, Johannes dr.: Ignaz Philipp Semmelweis, der Entdecker der Ursache des Kindbett-Fiebers (Leipzig-Wien, 1898)
Zweiter theil. Die Wirksamkeit von Semmelweis in Pest
36 VIERTES KAPITEL. Seine letzte Lebenszeit und sein Tod. Semmelweis beabsichtigte, wie schon erwähnt, ein Lehrbuch der Geburtshilfe herauszugeben. Im Jahre 1862 waren, wie das Pester ärztliche Wochenblatt (Orvosi Hétilap) mittheilte, bereits 100 von den 180 Holzschnitten29) fertiggestellt, welche dieses Lehrbuch zieren sollten. Leider ist aber dieses Werk nicht erschienen. Semmelweis beschloss bereits im Jahre 1863 seine im Interesse der neuen Entdeckung erst 1858 begonnene schriftstellerische Thätigkeit mit einem Berichte in dem Pester ärztl. Wochenblatte, welcher die Verhandlungen der St. Petersburger Gesellschaft der Aerzte über die Aetiologie und die Prophylaxis des Kindbettfiebers betraf. In diesen Verhandlungen fand Semmelweis zwar vieles, was ihm Freude bereiten konnte, doch war auf die ungeheuren Aufregungen, welche ihm der in den letzten Jahren geführte Kampf gebracht hatte, ein Zustand der Abspannung gefolgt. Er überliess das Werk der Verteidigung seinem Freunde Ludwig Markusovszky, dem Redacteur des Pester ärztlichen Wochenblattes, der in Wien Zeuge der auf die Erforschung der Ursache des Puerperalfiebers gerichteten Bemühungen gewesen war. Semmelweis zog sich auf das Gebiet zurück, welches von jeher den Gegenstand seiner Neigung gebildet hatte, auf das Gebiet der Gynäkologie. 29) Einen Theil dieser Holzschnitte benutzte später Dr. Fleischer in seinem Lehrbuche der niederen Geburtshilfe für Hebammen, Ofen 1869.