Grosse, Johannes dr.: Ignaz Philipp Semmelweis, der Entdecker der Ursache des Kindbett-Fiebers (Leipzig-Wien, 1898)

Zweiter theil. Die Wirksamkeit von Semmelweis in Pest

37 Am 22. Juni 1863 führte Semmelweis unter Assistenz •des Pester Chirurgen v. Balassa die erste Ovariotomie aus, die überhaupt in Ungarn gemacht worden ist. Die Operation verlief ziemlich glatt, obgleich der Fall nicht zu den günstigeren gehörte. Im Jahre 1864 wurde dem Pester ärztlichen Wochenblatte eine besondere gynäkologische Beilage beigegeben, welche eine Reihe wertvoller Arbeiten von Semmelweis enthielt. Diese Arbeiten bezogen sich insbesondere auf die neueren und älteren Theorien der Menstruation, die Menstruation und deren Anomalien, die operative Behandlung der Ovariencysten. Diese Artikel sind als wertvolle Fragmente eines die ge- sammte Gynäkologie umfassenden Werkes zu betrachten, welches Semmelweis zu schreiben beabsichtigte. Bedauerlicherweise ist aber auch dieses Werk nicht zur Ausführung gekommen, wie der Plan, ein Lehrbuch der Geburts­hilfe zu schaffen. Wenn Semmelweis zu seinen Hörern von Zurücksetzung sprach, die seine Lehre über die Ursache des Kindbettfiebers noch immer von fast allen Seiten erfuhr, traten ihm oft Thränen in die Augen und seiner nicht mehr mächtig, sah er sich ge- nöthigt, die Vorlesung abzubrechen. Seine Reizbarkeit nahm schliesslich so zu, dass er am 20. Juli 1865 nach Döbling bei Wien gebracht werden musste, woselbst er am 14. August30) 1865 starb, erst 47 Jahre alt. Wunderbarerweise starb Semmelweis an Pyämie infolge einer unbedeutend erscheinenden Verletzung des Mittelfingers seiner rechten Hand. Er hatte sich diese Verletzung kurz vor Ausbruch der Katastrophe gelegentlich einer Operation an einem Neugeborenen zugezogen. Seine sterbliche Hülle wurde am 16. August 1865 aus dem k. k. allgemeinen Krankenhause zu Wien, demselben, welches der erste Schauplatz seiner Thätigkeit und seiner Leiden ge­wesen war, auf den Schmelzer Friedhof überführt. Im Jahre 1891 wurden seine Gebeine jedoch von Wien nach Pest gebracht und auf dem Kerepeser Friedhofe beerdigt. 30) Nicht: am 13. August.

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