Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)

Semmelweis' Vortrag über die Genesis des Puerperalfiebers

Semmelweis1 Vortrag über die Genesis des Puerperalfiebers. Protokoll der allgemeinen Sitzung der k. k. Gesellschaft der Aerzte zu Wien, vom 15. Juli 1850. .... worauf zur Fortsetzung der für diese Sitzung auf die Tagesordnung gebrachten Diskussion über die durch Dr. Semmel­weis zur Verhandlung gekommene Genesis des Puerperal­fiebers geschritten wird. Vorerst sieht sich Herr Dr. Semmelweis veranlasst, auf jene Einwürfe zu antworten, die in einem Vortrage (siehe das Protokoll der Sitzung vom 17. Juni)1) gegen seine Ansichten von Herrn Dr. Zipfel vorgebracht worden sind. Letzterer hat nämlich die von ihm im Jahre 1842 gemachten und protokollirten 41 Sektionen von verstorbenen Wöchnerinnen mit den neu zur Entbindung angekommenen Schwangeren nach den ver­schiedenen Tageszeiten in mehrere Reihen gebracht, und wies aus der tabellarischen Vergleichung derselben nach, dass von den Kreissenden, welche zum wenigsten der Inclination mit Leichengift ausgesetzt waren, die meisten gestorben sind, und vice versa, und entnimmt daraus, einen Grund gegen die Ansichten des Doctor Semmelweis; allein so richtig auch die Zusammenstellung und die daraus gezogenen Schlüsse sein mögen, so ist nach Dr. Semmelweis die Anzahl der protokollirten Sektionen keineswegs die der im Ganzen ge­machten Leichenöffnungen von Wöchneriunen, indem von letzteren die größere Anzahl wegen des fast immer gleichbleibenden wissenschaft­lichen Befundes gar nicht protokollirt worden sind, somit der ganzen Zusammenstellung die richtige Basis der Zahl nämlich fehlt. Was aber die von Dr. Zipfel angeführte grössere Sterblichkeit bei den sogenannten Gassengeburten betrifft, so sind bei letzteren wohl andere äussere Schädlichkeiten meist genügend, sie zu erklären, wozu noch kommt, dass so Entbundene oftmals doch untersucht werden, um sich zu überzeugen, ob der Mutterkuchen bereits abgegangen ist oder nicht; endlich sei die Uebertragung fauler Stoffe auf Gebärende nicht blos vom Cadaver, sondern eben so gut von kranken Wöchnerinen und Kreissenden her möglich, auffallend sei es aber immer, dass ge­rade in den zwei Jahren, in welchen Dr. Zipfel Assistent war, und zu seiner Ehre sich häufig mit Sektionen befasst hat, die Sterblich­keit auf der zweiten Gebärklinik eine grössere war als sonst, so zwar, dass sie im Jahre 1842 an 7.5%, und im Jahre 1843 an 5.9% betrug, indess sie im Jahre zuvor nur 2.3%, und im Jahre darnach 3.5% ausmachte; noch seltsamer sei es, wenn Dr. Zipfel trotz seiner Einrede doch die Priorität der Ansichten über den Ursprung des Puerperalfiebers für sich und F e r g u s s o n in Anspruch nimmt, da bis auf die jetzige Zeit rücksichtlich des Wochenbettfiebers meist nur von der Aufsaugung eiteriger oder fauler innerhalb des Uterus *) *) recte: 18. Juni. (Der Herausg.) "' Jr [Aus dem]

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