Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)

Semmelweis' Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber

Die offenen Briefe an Professoren der Geburtshilfe. 435 liehen Geschlechtes aus Unwissenheit die grosse Sterblichkeit unter den Wöchnerinnen hervorgerufen haben. Ihre in Unwissenheit begründete Eintheilung der Entzündungen im Wochenbette, in solche, welche nicht Puerperal-Fieber sind, uud in solche, welche Puerperal-Fieber sind, ist erwähnt. Ich habe aber in meiner Schrift bewiesen, dass Ihre Entzündungen, welche nicht Puer­peral-Fieber sind, gerade so genuines Puerperal-Fieber sind, wie Ihre Hyperinose, Ihre Pyaemie und Ihre Blut-Dissolution, weil auch die Ent­zündungen, welche nach Ihnen nicht Puerperal-Fieber sind, so wie die Hyperinose, die Pyaemie und die Blut-Dissolution, durch Resorption eines zersetzten Stoffes entstehen; und dass die Entzündungen, welche nicht Puerperal-Fieber sein sollen, in Folge der Resorption eines zer­setzten Stoffes. entstehen, ist dadurch bewiesen, dass auch diese Ent­zündungen durch Chlorwaschungen der Hände verhütet werden können. Während des Herrschens der Pseudo-Epidemie wurden Unregel­mässigkeiten in der Wehenthätigkeit beobachtet, Wehenschwäche, spastische Contractionen, allgemeiner Krampf des Uterus, Blutungen in der Nachgeburt traten öfters auf. Natürlich, wenn die Blutentmischung in Folge der Resorption des zersetzten Stoffes eintritt zur Zeit, wo die Geburt noch nicht vollendet ist, so wirkt das entmischte Blut paralysirend auf den Uterus, und dadurch ist die Ursache für Wehenschwäche, für Krampf­wehen für Blutungen gegeben. Auch dass die Neugeborenen an einer, der Mutter ähnlichen Blut­entmischung starben, wurde beobachtet, und wie denn nicht; ist das Kind noch mittelst der Placenta in Verbindung, wenn die Blutent­mischung bei der Mutter in Folge der Resorption des zersetzten Stoffes eintritt, so theilt die Mutter die Blutentmischung dem Kinde mit, und Mutter und Kind starben an derselben Blutentmischung: Ueber diesen Punkt können Sie sich, Herr Hofrath, in meiner Schrift, Seite 40 und Seite 68,*) Belehrung holen. Sie sehen, Herr Hofrath, wie ungezwungen man sich alle beim Kindbettfieber zu beobachtenden Erscheinungen erklären kann, wenn man die einzige und wahre Ursache des Kindbettfiebers kennt; während Sie das Unbekannte wieder mit nicht gekannten atmo­sphärischen Einflüssen erklären. Aber das ist nicht das grösste Ver­dienst meiner Lehre. Das grösste Verdienst meiner Lehre ist, dass selbe die sichere Verhütung dieses Unglücks lehrt. Dass selbe dem Arzte eine bewusste, vorbeugende Thätigkeit vorschreibt. Während Ihre Lehre den Arzt zum Türken stempelt, welcher in fatalistischer unthätiger Resignation das Unglück über seine Wöchnerinnen ergehen lässt. Zum Schlüsse wird die Frage nach der Ursache dieser Pseudo- Epidemie aufgeworfen; ich will die Antwort, die gegeben wird, wört­lich wiedergeben. „Fragt man nun nach dem Grund dieser allerdings heftigen Epidemie (von 30 Erkrankten starben 9), so ist kein anderer zu finden, als gewisse atmosphärische epidemische Einflüsse, die freilich nicht näher zu bestimmen sind. Von all den Momenten, die als ätio­logische für das Puerperal-Fieber angeführt werden, ist keiner, ausser dem eben erwähnten, hier in Anwendung zu bringen.1. :) [Seite 122 und 138.] 28*

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