Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)

Semmelweis' Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber

können Quetschungen der Genitalien, und dadurch die Entstehung des zersetzten Stoffes veranlassen, welcher durch Selbstinfection das Kind­bettfieber hervorbringt. 17. Aufgehobene Se- und Excretion der Lochien. Aufgehobene Secretion der Lochien ist keine Ursache des Kindbettfiebers; aufge­hobene Excretion der Lochien kann durch Selbstinfection das Kind­bettfieber erzeugen. 19. Der schädliche Einfluss todter Früchte. Faul-todte Früchte sind keine Ursache des Kindbettfiebers; Früchte, welche während der Geburt absterben und nach dem Blasensprunge unter Zutritt von atmosphärischer Luft im Uterus in Fäulniss übergehen, erzeugen durch Selbstinfection das Kindbettfieber. 24. Andauernder Durst soll nach Carl Braun dadurch Puerperal­fieber hervorrufen, dass durch Durst die Resorption, folglich auch die Resorption der in der Gebärmutterhöhle befindlichen zersetzten Stoffe lebhafter wird, wodurch Puerperalfieber durch Selbstinfection erzeugt werden soll. 25. Zu hohe Zimmertemperatur und mangelhafte Ventilation er­zeugen dadurch Kindbettfieber, dass die puerperalen Excretionsstoffe rascher eine faulige Zersetzung eingehen. 27. Wie Sumpfluft Puerperalfieber erzeugen könne, ist einleuchtend. 28. Cadaveröse Infection. 30. Die verschiedenartigsten, den Gebärhäusern eigenthümlichen unzweckmässigen Verhältnisse. Die Lage der Gebärhäuser äussert auf den Gesundheitszustand ihrer Bewohner den mächtigsten Einfluss. Diejenigen Gebärhäuser, welche entfernt von angrenzenden Ge­bäuden und umgeben von weitläufigen Gärten sind, ergeben die ge­ringsten Mortalitätsverhältnisse. Die innige Berührung derselben mit Krankenhäusern verursacht den grössten Nachtheil, daher auch alle Gebärhäuser, die mit einem Krankenhause zusammengebaut siud, höhere Mortalitätsprocente im Durchschnitte ausweisen. Die An­grenzung an Localitäten, die mit zersetzten thierischen Stoffen erfüllt sind, wie Leichenkammern, ein Zusammenfluss von grösseren Abzugs­canälen, unrein gehaltene Aborte, schlechte oder mangelhafte Canali- sirung derselben, und Versenken der Placenten in dieselben erleichtert die Ausbreitung der Epidemien. Die fehlerhafte Bauart der meisten Gebärhäuser mit ungenügender Ventilation äussert sich dann schädlich, wenn die Wochenzimmer un­unterbrochen communiciren und ein diesen parallel laufender .Corridor fehlt; wenn von einem schlecht ventilirten Gange aus die Zimmer rechts und links angebracht sind; wenn die Fensterbrüstungen zu hoch, die Fenster einander gegenüber stehen und die Betten an den Seitenwänden unter den Fenstern angebracht sind; wenn die V ochen- zimmer an die Krankenzimmer grenzen und ober- oder unterhalb der­selben sich befinden; wenn die Ventilation im Winter durch Oeftnen der Fenster vollzogen werden muss, die Erneuerung der Zimmerluft durch Luftheizung ungenügend geschieht; wenn keine Dunstschlöte an der Decke der Zimmer angebracht sind, und wenn diese zur Er­zeugung einer raschen Luftströmung nicht als Foyer dappelle zum Erwärmen eingerichtet sind; wenn die Puerperalkranken in der Nähe der Wochenzimmer untergebracht, wenn die Wöchnerinnen aus dem Geburtszimmer in die V ochenzimmer über kalte Gänge odei stiegen­27* Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers.

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