Eisenmann dr.: Die Kindbettfieber (Erlangen, 1834)

Erste Abtheilung. Allgemeine Betrachtung über die Kindbettfieber

18 trauen, dafs ich die Schwangerschaft für eine Krank­heit erkläre, allein das steht fest, dafs der schwangere Zustand ein für das individuelle Leben aufserordent- licher, nicht normaler Zustand sey, bey dessen Rückbildung ähnliche Vorgänge stattfinden, wie bey der Restitutio in Integrum nach Krankheiten, näm­lich Crisen. Wenn die Natur den Organismus, der in aussergewöhnlicher oder krankhafter vegetativer Thätigkeit begriffen war, auf den Normalstand zu­rückführt, so bewirkt sie dieses durch die sogenann­ten Crisen, deren hohe Bedeutung nur die „physiolo­gische Medizin“ verkennen kann. Da aber jede Krankheit der vegetativen Sphäre bedingt ist durch einen spezifischen Zustand desjenigen Organs, in wel­chem der Krankheitsprozefs vor sich geht, und durch einen spezifischen Zustand des Blutes überhaupt, welcher das örtliche Leiden veranlafst *), der durch Rückwirkung des letztem noch gesteigert werden kann, indem vom kranken Organ aus gleichsam eine fortwährende Infection des Blutes stattfindet , so müssen auch die Crisen von doppelter Art seyn, nämlich solche , durch die das ergriffene Organ die Krankheitsproducte ausscheidet und zur normalen Thätigkeit zurückgeführt wird — örtliche Crisen, und solche, durch die sich das Blut seiner quantita­tiv oder qualitativ abnormen Bestandtheile entledigt — allgemeine Crisen. Erstere gehen, wie schon der *) In manchen, oder selbst in vielen Fällen, wird der krankhafte Zustand des Blutes durch das örtliche Lei­den erzeugt.

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