Eisenmann dr.: Die Kindbettfieber (Erlangen, 1834)

Erste Abtheilung. Allgemeine Betrachtung über die Kindbettfieber

14 man sich vom alten Pfad nicht abführen, man blieb dabey, alle im Wochenbette vorkommenden heftigeren Fieberformen Kindbettfieber zu nennen, und diese als eine Krankheit sui generis zu betrachten, die höchstens durch den epidemischen Character modifi- cirt werden. Das Kindbettfieber als eine spezifische Krankheit ist aber ein wahres Unding und führt zu eben solchen Verwirrungen, als wenn man ein Kinderfieber annehmen und alle Kinderkrankheiten darnach construiren und darnach behandeln wollte. Der Zustand der Wöchnerinnen ist eben so ein eigen- thümlicher, wie der des Kindes, beyde haben eine sehr lebendige Reproductions - Thätigkeit miteinander ge­mein , und eben so wie im kindlichen Alter die ver­schiedensten Krankheiten Vorkommen können, die aber durch das Kindesalter mehr oder weniger mo- dificirt, keineswegs aber eigene Krankheits-Species werden, so kann auch die Wöchnerin an verschie­denen Krankheiten leiden, es kann der Verlauf die­ser Krankheiten in unwesentlichen Dingen modifi- cirt werden, ohne dafs dieselben zu spezifischen Wochenbettkrankheiten würden. Wenn daher Ca· pur on sagt, es könne auch der Mann am Kindbett­fieber erkranken, so wird jeder, der die Extravaganz des Ausdrucks, in welchem sich bekanntlich die Fran­zosen sehr gefallen *), vom Geiste dieser Worte zu *) (Perier bezeichnete die Freiheit als den Despotismus der Gesetze, und diese unsinnige Redensart ward nicht nur von Franzosen, sondern auch von Teutschen be­wundert.)

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