Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose

0'Dwyers Instrumentarium. 19 Auf dieser Grundlage geschah die Einteilung der Bayeux sehen kurzen Tuben (s. S. 39), nachdem ich jedoch in bezug auf die letzteren Tuben bloß spärliche Erfahrungen besitze, vermag ich zur obigen Graduierungs­theorie praktisch nicht Stellung zu nehmen; doch haben mir die mit den nach der neueren Einteilung angefertigten 0'Dwyer sehen Tuben ausge­führten zahlreichen Intubationen die Überzeugung verschafft, daß 0’Dwyer richtig gehandelt hat, als er die zweite Originaltube kleiner anfertigen ließ, die für 3—4jährige bestimmte Tube zur Verwendung bei 4—5jährigen anempfahl und für 3jährige eine neue Tube in die Serie einschob. In obigem schilderten wir nach Dillon Brown die richtige Modellierung und Anfertigungsweise der Tuben, wollen wir nunmehr untersuchen, welche kardinale Fehler den sog. schlechten Tuben (,,bad tubes“) anhaften1). Der häufigste Fehler ist nach 0’ Dwyer darin gelegen, daß die In- strumentenverfertiger das Metall an der vorderen Fläche des unteren Tubenendes zu sehr abfeilen, wodurch an dieser Stelle eine scharfe Kante erzeugt wird. „Man müßte sie erinnern — sagt 0’Dwyer —, daß dieser Teil der Tube mit der vorderen Trachealwand nicht nur in Berührung steht, sondern daß er sich auch bei jeder Schluck­bewegung auf einem ungefähr einen halben Zoll betragenden Gebiete auf- und abwärts bewegt.“ Diese Bewegung der Tube wird durch den nach rückwärts gerichteten Druck der Zungenwurzel verursacht, welche die Epiglottis und das obere Tubenende mit erheblicher Kraft nach rückwärts schiebt und das untere Tubenende nach vorwärts hebt, welch letzteres nach vorne und aufwärts rutscht, sobald der Kehlkopf sich hebt und die Luftröhre sich streckt, hingegen nach abwärts gleitet, wenn der Schluckakt ein Ende erreicht hat. Bei den präzis angefertigten Tuben ist das Metall an der vorderen Fläche genug dick belassen und glatt abgerundet, gleich dem Vorderteile eines Schlittens, so daß sich dasselbe, über den Geweben gleitend, auf- und abwärts bewegen kann, ohne dieselben zu verletzen. Da das untere Tuben­ende mit der hinteren Trachealwand selten und mit den Seitenwänden nie in engere Berührung gerät, genügt es, das Metall dieser Stelle ent­sprechend verhältnismäßig dünn zu belassen, um eine größere Anschwellung zu vermeiden. Hingegen wird an dem oberen Ende, speziell an der vorderen Seite des Tubenkopfes mehr Metall bleiben müssen, damit keine scharfe Kantenbildung unter der Epiglottis entsteht. Der Kopf, sowie der Tuben­hals, welcher im Kehlkopfeingange ruht, und von den Mm. constrictores bei jeder Schluckbewegung zusammengedrückt wird, muß von Uneben­heiten oder hervorragenden Winkeln vollkommen frei sein. Dieser Teil der Tube, welcher beiläufig 1/4 englischen Daumen lang ist, besitzt eine Abbiegung nach rückwärts, zufolge welcher die Krawatte sich von der Basis des Kehlkopfs zu entfernen strebt, — dort wo diese Krümmung nicht entsprechend ausgebildet ist, kann es an der hinteren Fläche der Epiglottiswurzel leicht zur Geschwürsbildung kommen (s. S. 128). Daß sog. „schlechte“ Tuben nicht nur unter den europäischen Fabrikationen, sondern auch in amerikanischen Etuis genug häufig vor­*) Meine Bemerkung bezieht sich nicht auf die modifizierten Tuben im all­gemeinen. Mit letzteren gedenke ich mich im 5. Kapitel des I. Teiles zu befassen. 2*

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