Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

199 Diaphragmas mit bedrohlicher Suffokation zu erwarten stand (siehe den Fall Kriegs ™d v. Bruns’), entschloß man sich zur vorherigen Tracheotomie, um durch die Trachealwunde an das Diaphragma heranzutreten und sodann die Dilatation in An­griff zu nehmen. 24. März. Tracheotomia interior. Bei der vor Einlage der Kanüle vor­genommenen Sondenuntersuchung berührt die durch die Wunde nach oben ge­führte Sonde in einer Entfernung von 3 cm die Membran. Ein Weiterführen der Sonde nach oben gelingt nicht. Nach Einlage der Kanüle hustet das Kind massige Schleimmengen heraus, währenddem es früher überhaupt nicht aufzu­husten vermochte. 10. April. Durch die Trachealöffnung wird ein abgerundetes Kehlkopf­messer in die Kehle geführt (Krieg) und mit Hilfe desselben wird die Verschluß­membran von der hinteren Öffnung ausgehend nach vorne eingeschnitten, wobei der Kehlkopf von außen durch Anlegen der linken Zeigefingerspitze an die Com- missur der Schildknorpel fixiert wurde. Die derart entstandene Öffnung genügt jedoch nicht, um den Durchtritt der von oben eingeführten Dilatationstube zu gewähren. Um ein neuerliches Verschließen der gespalteten Membran zu verhindern, wird am 22. April ein neuerer Intubationsversuch unternommen. Trotz mehrfachem Be­mühen gelingt es jedoch nicht, die Tube durch das Diaphragma durchzubringen. Aus diesem Grunde schiebt man durch die Trachealwunde eine mit einem Faden versehene Sonde durch die verengte Stelle nach oben, was erst nach mehrfachem Probieren gelingt, und führt den Faden zum Munde heraus. Entlang dieses Fadens, als Konduktors, wurde sodann die Tube eingeführt und hinabgeschoben. Bei der Einführung mußte ein ansehnliches Hindernis überwunden werden und die massige, dicke Membran wurde durch die Tube sozusagen gesprengt. Die Tube liegt nachher richtig und die Atmung ist bei verschlossener Luftröhrenwunde frei. Der leitende Faden wurde mit einem Ende am Munde und dem anderen in der Wunde vorläufig belassen. Auch die Trachealwunde wurde mit Hilfe einer kleinen Kanüle als Sicher­heitsventil offen behalten. 24. April. Erweiterung mit einer größeren Tube, wobei der verengten Stelle entsprechend einigermaßen Gewalt angewendet werden müßte. Der Faden wurde entfernt. 26. April. Die tracheale Kanüle kommt endgültig weg. 27. April. Tracheotomiewunde geheilt. Befinden gut. 30. April. Endgültige Extubation nach 192stündigem Verweilen der Tube. Atmung vollkommen frei, keine Zeichen von Stenose, Phonation ungestört. 9. Mai. Stets gutes Befinden. Im Spiegelbilde normale Funktion der Stimm­bänder. 17. Mai. Ganz leichte Stenose (wahrscheinlich infolge Narbenschrumpfung). Deshalb neuerdings Intubation, die mit Leichtigkeit gelingt. Nach 22stündiger Tubenlage wird die Tube ausgehustet. Seit dieser Zeit ständig gutes Atmen. 21. Mai. Vollkommen geheilt, mit freier Atmung und normaler Stimme, ohne jede Klage entlassen. Seither wurde das Kind wiederholt vorgestellt. Es geht ihm stets recht gut, Atmungsbeschwerden haben sich nicht mehr gemeldet. Sonstige mit Stenose einhergehenden Erkrankungen. Die Krankengeschichte meines eigenen Falles kann ich auszugsweise in folgendem geben: F. N. (Knabe), einen Tag alt. Aufgenommen am 7. Oktober 1905. Die Geburt hat 8 Stunden lang gedauert. Die Hebamme bemerkte kurz nach der Entwicklung des Kopfes, daß die Nabelschnur um den Hals gewunden ist, wes­halb sie dieselbe rasch durchschnitt. Kommt asphyktisch zur Welt, weshalb abwechselnd kalte und warme Bäder, Abgießungen vorgenommen wurden, worauf der Neugeborene zu atmen beginnt. Die Atmung ist jedoch seither laut, er­schwert, der ganze Körper ständig livid. Drittes Kind, die ersten beiden leben und sind gesund. St. pr.: Gewicht 3620 g, Länge 48 cm, Schädelumfang 34% cm. Haut­decke und sichtbare Schleimhäute überall livid, an den Füßen und

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