Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation
II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen
Händen sowie an den Ohren dunkelblaue Färbung. Fettpolster mäßig entwickelt. Schädel normal geformt. Nasen-Ohrengänge frei, rein. Rachengebilde rein. Atmung laut, bei jeder Inspiration von Stridor begleitet, hochgradig erschwert, 32 in der Minute. Bei jedem Inspirium juguläre, supra-, intraclaviculäre, scrobiculäre Einziehungen. Über den Brustorganen perkutorisch keine Veränderung. Über beiden unteren Lungenlappen kaum hörbare Atmung. Herztöne rein. Abdominalorgane ohne pathologischen Befund. Den maximal cyanotischen Säugling intubiere ich mit der Northrup sehen für ganz junge Säuglinge bestimmten Tube. Die Intubation ist durch Einrollung der Epiglottis bedeutend erschwert. Nach der Intubation wird die Atmung nach wenigen Atemzügen frei, die tiefblaue Verfärbung schwindet, wie auf einen Zauberschlag und die Hautdecke und Schleimhäute erscheinen in frischer Rosafarbe. Es fließt darauf massenhaft schäumiger Speichel ab und über den Unterlappen ist rauhes Atmen in Begleitung zahlreicher grober Geräusche zu hören. Atmung nicht erschwert, in der Minute 48. Extubation nach dreieinhalb Stunden. Die Atmung und die Beschaffenheit der Hautdecke wie vorher. Der Säugling wird der Hebamme in gebessertem Zustande übergeben, nachdem die nötigen Anordnungen zwecks eventueller neuerlicher Intubation erteilt wurden. Ungefähr 5 Stunden später wird der Neugeborene jedoch in moribundem Zustande zurückgebracht, wobei wir hören, daß der Zustand seit dem Spitalsaustritt völlig zufriedenstellend war, als sich plötzlich, unmittelbar bevor die Hebamme das Kind wieder zurückbrachte, bedrohliche Schwächeerscheinungen zeigten. Der cyanotische Neugeborene holte vor unseren Augen noch einige terminale Atemzüge, zu einer neueren Tubeneinführung blieb keine Zeit mehr. Klinische Diagnose: Asphyxie zufolge Fruchtwasseraspiration. Sektionsbefund: Nabel etwas eingetrocknet, in den Nabelvenen dunkles, flüssiges Blut, desgleichen im Herzen und in dpn großen Gefäßen. In den peri- laryngealen Geweben alles normal, keine Quetschung, kein Bruch. Im Rachen, Kehlkopf und Luftröhre grauweißer Schleim, ebenso in den feinsten Bronchien. Die vorderen scharfen Lungenränder sind blaß rosagelblich, lufthaltend, in den hinteren Partien enthalten nur wenige Läppchen Luft, der größte Teil der Lunge ist hier atelektatisch. Der Thymus ist groß, 5 cm lang, 4 cm breit. Im Herzen keine Anomalie. Leber groß, stark cyanotisch; die Nieren desgleichen. 200 Über den Wert der Intubation bei sonstigen Stenosen. Anhang. Nasale Intubation bei Pharynx-Stenose. Die nasale Intubation mit weichen Kautschukröhren wurde zuerst von unserem verdienstvollen Kollegen Northrup1) (New York) in Empfehlung gebracht. Der Fall, durch welchen die Anregung für das geniale Verfahren gegeben wurde, betraf einen fünfmonatlichen Säugling, bei dem die akute Anschwellung der Tonsillen und des Rachens einen so hohen Grad erreichte, daß die Atmung fast unmöglich wurde und das Kind durch die Gefahr der äußersten Erschöpfung bedroht war. Es konnte nicht daran gezweifelt werden, daß mit der Einführung einer 0' Dwyersehen Tube in diesem Falle nichts zu erhoffen sei und fast schien es, daß hier in der Tracheotomie das einzige Mittel zur Erleichterung gegeben sei. Um ein freies Strömen der Luft gegen den Kehlkopf zu J) W. P. Northrup: Pharyngeal - croup relieved by nasal intubation (Soft rubber tubes). Arch, of Pediatrics. July 1903.