Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation
II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen
198 Über den Wert der Intubation bei sonstigen Stenosen. Der Fall Sippels war folgender: Zweijähriger Knabe, aufgenommen am 11. Februar 1902. Seit der Geburt erschwertes Atmen, beim Husten häufig cyanotisch. Stimme stets klar. Seit 1 % Jahren nehmen die Atembeschwerden langsam zu und in den letzten Monaten treten häufig Erstickungsanfälle auf. Das Leiden wurde angeblich für Croup gehalten und im Januar 1902 wurde der Knabe 3 Monate hindurch auch in Spitalsbehandlung genommen, ohne daß sein Zustand eine wesentliche Veränderung erfahren hätte. Am 11. Februar wurde das Kind wegen neuerlich aufgetretener Erstickungsanfälle dem ,,01ga“-Spitale zugewiesen. Schwach entwickeltes und ernährtes Kind. Hat in den letzten Wochen bedeutend abgenommen. Fieberfrei. Äußere Untersuchung der Kehle, sowie Inspektion des Rachens mit negativem Befunde, Stimme klar. Es besteht eine schwere Atembeschwerden verursachende Laryngostenose, in- und exspiratorischer Stridor. Häufig ist tracheales Röcheln zu hören, ohne daß es von Expektoration begleitet wäre. Diffuse Bronchitis. Ein reines laryngoskopisches Bild kann nicht gewonnen werden, weil das Herausziehen der Zunge Schwierigkeiten bereitet, das im Rachen sich anhäufende Sekret einen klaren Einblick hindert und die Atemnot zufolge der mit der Untersuchung verbundenen Aufregung beängstigend ansteigt. Direkte Laryngoskopie führt ebensowenig zum Ziele. Diagnose einstweilen Laryngitis hypo- glottica. 12. Februar. Gesteigerter Stridor. Ständige Unruhe. 13. Februar. 7 Uhr früh ein Erstickungsanfall, von welchem sich das Kind nach einigen Minuten erholt. 15. Februar. Mehrfache Anfälle, stets stenotische Atmung in abwechselnd verschiedenem Grade. 24. Februar. Im Anschluß an eine neuerliche laryngoskopische Untersuchung, die im Kehlkopfeingange und an den Stimmbändern keine bemerkbare Veränderung ergab, entsteht hochgradige Atemnot, weshalb die Einführung einer Tube kleinsten Kalibers versucht wird; die Tube stößt jedoch, nach'dem der Eingang mit Leichtigkeit passiert wurde, im unteren Teile des Kehlkopfes auf ein starres Hindernis und mußte nach mehrfachen vergeblichen Versuchen entfernt werden. Hierauf vorübergehend schwere Atemnot und leichte Temperaturerhöhungen. 10. März. Unverändert; in mehrtägigen Zwischenräumen treten Erstickungsanfälle auf; des Nachts sehr unruhig; diffuse Bronchitis. 17. März. Laryngoskopischer Befund (Krieg): Stimmbänder frei beweglich mit normaler Funktion. Unter ihnen ist das Kehlkopflumen durch ein rötlich durchschimmerndes Gewebsplättchen quer verschlossen, das etwas unterhalb der vorderen Commissur ausgeht und nach rückwärts mit einem halbmondförmigen Rande abschließt, so daß im hinteren Kehlkopfteile eine kaum erbsengroße Öffnung für den Luftwechsel frei bleibt (Fig. 106). An dem Verschlußplättchen ist eine muldenförmige Vertiefung bemerkbar und diese Membran verbindet die beiden Seitenwände des Kehlkopfes in einem nach oben konkaven Bogen. Es handelt sich offenbar um einen angeborenen Verschluß, um ein Diaphragma des Kehlkopfes, das sich von anderen typischen Fällen darin unterschied, daß die verschließende Membran (wie im zweiten Falle Fränkls) die Glottis nicht im Gebiete der Stimmbänder absperrte, sondern in der subglottischen Partie, etwas unterhalb den Stimmbändern. Dadurch ist das Fehlen der bei dieser Anomalie sonst bestehenden Heiserkeit bzw. Aphonie zu erklären, während die durch das Diaphragma verursachten Atembeschwerden in diesem Falle ansehnlich, geradezu lebensgefährlich waren. Der Behandlungsplan bestand darin, das Diaphragmaplättchen auf endolaryn- gealem Wege zu durchtrennen bzw. zu entfernen. Nachdem jedoch mit Rücksicht auf das Alter des Kindes im Zusammenhänge mit dem Eingriffe eine Anschwellung des Fig. 106.