Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation
II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen
197 fernt wurde. Bei der anschließenden Untersuchung war eine starke Injektion nebst mäßiger Anschwellung der Gießkannenknorpel nachzuweisen, das Kehlkopflumen war jedoch bedeutend breiter. Vorne, entsprechend der Stelle des größten Tubendruckes, war eine oberflächliche Einsenkung zu sehen. Die schwere Atmung kehrte nachher 13 Monate hindurch nicht mehr zurück. Bei der nun vorgenommenen Spiegeluntersuchung war ungefähr dieselbe Verzerrung des Kehlkopfes, doch in geringerem Grade festzustellen. Die Grenzen der einzelnen Kehlkopfteile traten viel schärfer hervor als ehedem, die entzündliche Schwellung und Röte war geringer und die für die Atmung frei bleibende Spalte viel breiter, als bei der ersten Untersuchung. Die Unbeweglichkeit des Kehlkopfes ist unverändert, die Stimme etwas kräftiger, doch bei weitem nicht normal. Zwecks weiterer Dilatation führte er nochmals dieselbe Tube ein und ließ sie eine Woche lang verweilen. 14 Monate später kehrten die Atembeschwerden nicht wieder. Der Autor wirft in seinem Artikel die Frage auf, ob es in diesen und ähnlichen Fällen nicht vorteilhaft wäre, früher zu intubieren, um durch die Tube eine Ankylose der verletzten Teile hintanzuhalten. Bei durch Kropf verursachten Luftröhrenverengerungen unternahmen Waxham und Sippel Versuche mit der Intubation, — meiner Meinung nach kann aber hier nur eine temporäre Abhilfe seitens der Tube in Frage kommen, wobei es sich nur um die momentane Gefahr bzw. bei der Strumektomie um die ungestörte Sicherung der freien Passage für die Luft handelt1). Über die in Fällen von Kehlkopftuberkulose vorgenommenen Intubationsversuche möchte ich mich einer eingehenden Besprechung entziehen, weil ich dafür halte, daß die Intubation bei diagnostisch vollkommen geklärter Kehlkopftuberkulose gleich der beim Kehlkopfkrebs kontraindiziert ist, und ich pflichte der Anschauung Sargnons vollkommen bei, daß die Intubation in solchen Fällen nur dort erlaubt ist, wo schwere Erstickungserscheinungen während der Geburt auftreten oder wenn nach endolaryngealen Eingriffen ein bedrohlicher Spasmus entsteht. Mit der Frage der im Laufe der Kehlkopftuberkulose vorzunehmenden Intubation befaßten sich literarisch: Massei, Hopkins, Ferroud, Scheier, Roe, Masini, Claude, Egidi, Gavino, Delavou und W. Weglinski. Nach alldem möchte ich noch zwei interessanter Krankenfälle gedenken, bei denen sich das 0'Divyer sehe Verfahren gleichfalls gut bewährte. Der eine kam unter dem Materiale des Stuttgarter ,,01ga“- Krankenhauses zur Beobachtung (Mitteilung von Sippel), wobei ein angeborenes Diaphragma des Kehlkopfes schwere kongenitale Stenose verursachte; nach vorheriger Tracheotomie und endolaryngealer Durchtrennung des Diaphragmas wurde methodische Dilatation mit O'Divyer- Tuben vorgenommen, und die Heilung war eine vollkommene und ständige; der zweite Fall entstammt der eigenen Beobachtung und betrifft einen Neugeborenen, bei welchem schwere Asphyxie zufolge Aspiration von Fruchtwasser die Indikation für das Intubationsverfahren abgab. Der Fall ist auch deshalb von Interesse, weil es der erste war, wo ich die Intubation bei einem Neugeborenen in Angriff nahm und in die Lage kam, die von Northrup für ganz junge Säuglinge modellierte allerkleinste Tube zu verwenden. Sonstige mit Stenose einhergehenden Erkrankungen. ü Siehe S. 208.