Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

196 Über den Wert der Intubation bei sonstigen Stenosen. Schwierigkeiten begegnet. Der Kehlkopf erweckt den Anschein, als ob sein Inneres im antero-posterioren Durchmesser verkürzt wäre. Die rechte Hälfte vor den Gieß­kannenknorpeln erscheint, als ob sie quer nach vorne verschoben wäre, so daß sie die andere Hälfte entzweiteilt und nur die nach hinten links gelegene Partie zum Vor­schein gelangen läßt. Unter dem linken Stimmbändchen dringt ein weißlich glänzen­des, knorpelartiges Teilchen vor, über dem sich die Schleimhaut spannt. Es scheint dies offenbar der hervorragende Rand des linken Schildknorpels zu sein. Das Kehl­kopflumen ist bedeutend verengt und zufolge der beschriebenen Verzerrung blieb bloß eine schmale, dreieckförmige Spalte am hinteren Teile für das Atmen frei. Die rechte Hälfte des Kehlkopfes ist ganz unbeweglich, die linke Hälfte weicht bloß in be­schränktem Maße aus, und auch diese Bewegungen beschränken sich nur auf das hintere Drittel. Die Atmung ist in der Ruhe ziemlich gut, bei Bewegungen etwas erschwert; spärlicher Husten von croupösem Charakter. Die Prognose in bezug auf die Zurückerlangung der Stimme ist schlecht. Die Behandlung bestand in Eisen­umschlägen, und für den Fall, als die Atemnot zunehmen sollte, war die In­tubation geplant. Nach 4 y2 Monaten sah er den Patienten wieder. Stimme und Atmung blieb inzwischen imverändert, seit 5 Tagen sind jedoch schwere Atembeschwerden auf­getreten, die, Croupanfällen ähnlich, insbesondere nachts anstiegen. Tagsüber treten die Anfälle seltener auf und sind weniger erschöpfend, obwohl ständiger Inspirations­stridor bestand. Das Resultat der Kehlkopfuntersuchung ist auch jetzt dem ersten Befunde ähnlich, nur haben sich seither auch entzündliche Veränderungen dazu­gesellt. Die Gießkannenknorpel sind stark geschwollen, etwas ödematös und ge­rötet. Das Kehlkopf innere ist stark injiziert, ausgenommen die über den Stimm­bändern gelegene Schleimhaut, die von blässerem Aussehen, verdünnt und verzerrt erscheint. In der Gegend des rechten Stimmbändchens, dessen Platz er vorne ein­nimmt, hängt ein schmaler Gewebsfetzen herab, der dem Anscheine nach einem Überreste des Stimmbändchens entspricht. Diese Gewebsmasse hängt in das Innere herein und steigert die Stenose. Abgesehen von den entzündlichen Veränderungen scheint die Verengerung hauptsächlich durch die Verlagerung des Schildknorpels entstanden zu sein. Ordination: Ruhe und Eis. Einen Monat später: Die ent­zündlichen Veränderungen sind etwas gewichen und die Atmung ist in der Ruhe etwas besser, nach der Arbeit treten jedoch noch immer Atembeschwerden auf. Nach­dem von längerem Zuwarten keine weitere Besserung zu erhoffen war, entschloß er sich, den Druck ständiger 0' Dwyer-Tuben zu versuchen. 5% Monate nach der Ver­letzung wurde die erste Tube eingeführt. Nach Cocainbepinselung der ganzen Gegend versuchte er es mit der für Erwachsene bestimmten Tube Nr. II, die er jedoch weder mit, noch ohne Spiegel durchzubringen vermochte. Nur der untere Teil der Tube konnte eingeführt werden, uúd durch dieselbe war ein Atmen nur so lange möglich, bis er die Tube herabgedrückt hielt, sobald er jedoch den Finger vom Tubenkopf entfernte, sprang die Tube sofort heraus, ein Zeichen dafür, daß sie nur bis zur bauchigen Vorwölbung eingeführt war. Deshalb unternahm er eine Probe mit der ersten für Erwachsene bestimmten Tube, die er unter Spiegelkontrolle bei dem ersten Versuche einführte. Der Intubation folgten Husten und Expektoration und die Atmung war bedeutend besser. Nach einer Stunde wurde die Tube ausgehustet. Am nächsten Tage, 16 Stunden nach dem ersten Erweiterungsversuche, konnte die zweite Tube schon beim ersten Versuch eingelegt werden. Es wurde eine konische, mit kleinem Bauche, doch breiterem Halsteile versehene Tube in Anwendung gebracht und es schien nicht ausgeschlossen, daß eine derart geformte Tube schon am Tage zuvor einführbar gewesen wäre. Der Faden, der wenig Unannehmlichkeiten ver­ursachte, wurde 4 Tage lang belassen. Die Tube wurde 6 Tage hindurch gut ver­tragen, der Husten war selten, Flüssigkeiten konnte der Kranke in Casselberry- Lage durch ein Glasröhrchen ungehindert zu sich nehmen; Atembeschwerden bedeutend geringer. Am vierten Tage wurde die Tube ausgehustet, es fand sich dabei, dem vorderen Rande des Tubenkopfes entsprechend, eine seichte Rinne und die den Tubenkopf umgebenden Teile der Gegend des Gießkannenknorpels waren etwas geschwollen. Am sechsten Tage empfindet der Kranke beim Schlucken Schmerzen, die sich auch bei äußerem Druck auf die Kehlkopfgegend zeigten, weshalb die Tube ent­

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