Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

195 in der zweiten und dritten Woche der Krankheit geradezu lebensgefähr­lichen Keuchhustenanfällen ausgesetzt. Zum Schlüsse dieser häufig, durchschnittlich 20—30 mal täglich auftretenden Anfälle stellten sich in der Regel Glottiskrämpfe ein, die zuweilen einige Minuten andauerten und häufig Verabreichung von Excitantien und Einleitung der künstlichen At­mung erforderten. Die Tube, bei je 1—4stündigem Verweilen in dem einen Falle viermal, im anderen sechsmal eingeführt, löste heftigen Husten­reiz aus, es wurde viel Schleim herausbefördert, doch beruhigten sich die Kranken alsbald, und die Anfälle gingen sowohl an Intensität, wie auch an Frequenz unerwartet rasch zurück. Über einen ähnlich günstigen Erfolg berichtet auch Ferroud im Jahre 1894 (3jähriges Kind). Hierher sind auch jene Fälle zu zählen, wo die Anzeige zur Intubation durch selbständiges Auftreten schwerer und lebensbedrohlicher Glottis­krämpfe gegeben war. Eine derartige Beobachtung ist die meines ge­wesenen Assistenten Dr. Brück. Er nahm die Intubation bei einem 11- monatlichen Mädchen in Anspruch, das an schweren mit bedrohlicher Asphyxie erscheinenden Glottiskrämpfen litt; nach zweimaliger Tuben­einführung (mit 16% bzw. 1% ständiger Tubenlage) wurden die Anfälle milder und waren kurz darauf ganz verschwunden. Bei hysterischer Stimmbänderlähmung sahen 0. Ascenso und Chiari, bei Posticuslähmung außer O'Dwyer, Cheatham und Rosenberg gute Er­folge von der Intubation. Bei äußeren Verletzungen des Kehlkopfes sowie bei Kehlkopffraktur brachten Lefjerts, Scheier, Simpson, Ferroud, Egidi und Massei das Ver­fahren in Vorschlag und verliehen jener Meinung Ausdruck, daß das O' Dwyer sehe Verfahren in ähnlichen Fällen unschätzbare Dienste zu leisten vermag, weil es der Kehle eine Stütze bietet, die schädliche Wirkung des entstehenden inneren Hämatoms paralysiert und die richtige Vereinigung der Bruchenden ideal zu sichern vermag. Im nachstehenden gebe ich einen ausführlichen Auszug einer ein­schlägigen, lehrreichen Beobachtung Simpsons (N. Y. 1893): Der 39jährige Mann hat sich vor 3 Wochen bei einem Falle von 8 Fuß Höhe durch eine herausstehende Schraube am Halse verletzt. Die Schraube war durch das rechte Ligamentum thyreo-hyoideum gedrungen. Nach Entfernung derselben kam er wegen ansteigender Atemnot in Spitalsbehandlung. Eine halbe Stunde nach der Verletzung zeigte sich am Halse und am oberen Teile des Brustkorbes ein aus­gedehntes subcutanes Emphysem und gleichzeitig trat eine bedrohliche Kehlkopf­blutung auf. Wegen äußerster Erstickungsgefahr wurde die Tracheotomie vor­genommen. Nach 8 Tagen entfernte man die Kanüle. Nachdem die Atmung durch die Kehle einigermaßen hergestellt war, kam er zu Simpson, der ihm seine Stimme wiedergeben sollte. Bei der damaligen Untersuchung zeigte sich nun folgendes: Die Stimme bis zu rauhem Flüstertöne gesunken. An Stelle der Tracheotomie ist eine längliche Narbe sichtbar; der Schildknorpel ist um die Mitte plattgedrückt und an der Oberfläche des rechten Schildknorpels ist eine linienförmige Einsenkung bemerkbar. Der Raum zwischen Schild- und Ringknorpel ist rechts schmäler als links. Bei der inneren Untersuchung ist die Epiglottis etwas schmäler und spitzig, hellrot, die Exkursionen nach oben sind gering. Das rechte Horn des Zungenbeins ist disloziert und sieht gegen die Mittellinie. Die supralaryngealen Teile sind bedeutend gerötet. Das ganze Kehlkopfinnere ist unregelmäßig geschwollen, insbesondere an der rechten Seite. Zufolge dieser Schwellung und Verzerrung sind die natürlichen Konturen derart verschwommen, daß die Unterscheidung der einzelnen Teile großen Sonstige mit Stenose einhergehenden Erkrankungen. 13*

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