Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

die Tube zertrümmert wird und daß auf diese Weise der fixierte Fremdkörper be­weglich und die Expektoration desselben ermöglicht wird. Die Intubation nahm ich am 13. mittags vor. Die Einführung gelang nach Bekämpfen eines geringen Hindernisses beim ersten Versuche; hierauf wurde die Atmung plötzlich frei und das an die Luftröhre gelegte Ohr hört ein freies Flottieren des Fremdkörpers beim Husten. Nach einer Tubenlage von wenigen Minuten wird die Tube am Faden entfernt, und nachdem die Atmung vollkommen frei ist, wird das Kind der Mutter übergeben. Am nächsten Tage zeigt die Mutter ein Schalenteilchen vor, das sie isoliert im Stuhle fand, und welches ohne Zweifel gelegentlich des der Extubation folgenden Hustenanfalles expektoriert und verschluckt wurde. Das Kind atmet vollkommen frei und ruhig und Atmungsbeschwerden zeigten sich auch später nicht mehr. In der Literatur finde ich insgesamt nur noch vier Fälle verzeichnet, wo bei in die Luftröhre gelangten Fremdkörpern das Intubationsverfahren mit Erfolg angewendet wurde. Der erste Fall stammt von S. J. Meitzer (New York) aus dem Jahre 1899 (Medical Record); der zweite wurde von Bonain (Brest) im Jahre 1895 (Revue mensuelle des Maladies de l’Enfance), der dritte von Sevestre und Bonnus im Jahre 1897 (Société médicale des Höpitaux de Paris), der vierte von Duplaut im Jahre 1900 (Lyon medical) publiziert. Die Auszüge dieser Fälle gebe ich in nach­stehendem : 1. Fall Meitzers. 3 jähriger Knabe wird beim Verzehren von Nüssen, währenddem er mit vollem Munde schrie, plötzlich unter Erstickungsanfällen unwohl. Die Mutter stellt ihn auf den Kopf, klopft ihm den Rücken, verabreicht ein Brechmittel, worauf die schwersten Erscheinungen schwinden und das Kind sich beruhigt. Am nächsten Morgen Heiserkeit, die Atmung wird immer schwerer. Nachmittags 3 Uhr ist die Atmung bereits stark stenotisch, das Kind ist sehr cyanotisch und schlafsüchtig; Puls frequent, intermittierend. Auf sofortige Intubation (mit gewöhnlicher Tube) wird die Atmung vollkommen frei und das Kind kommt zu sich. Die Nacht war ruhig. Früh morgens extubiert sich das Kind selbst und atmet dessenungeachtet ruhig. Das Tubenlumen ist mit zähigem Sekret halb gefüllt und in der zähen Masse findet man außer einigen kleineren Teilchen auch ein relativ größeres Stück Nußschale. Der Verlauf wird durch eine fibrinöse Pneumonie gestört. Nach zwei Wochen ist die Heilung eine vollkommene. Meitzer hält die direkte Versperrung der Stimmritze infolge der geringen Ausdehnung des Fremdkörpers für ausgeschlossen und erklärt den ersten Erstickungsanfall durch Laryngospasmus, während er die späteren At­mungsbeschwerden auf eine Anschwellung der Schleimhaut, d. h. Glottisödem zu­rückführt. Der Autor hält es für wahrscheinlich, daß die etwas zugespitzte Nuß­schale sich neben dem einen Stimmbande einkeilte, bei der Intubation in die Luft­röhre gelangte und von hier ausgeschieden wurde. 2. Fall. Bonains 15 Monate altes Kind. Aspiriert nachmittags 3 Uhr einen Zwetschenkernsplitter (nach Angabe der Mutter mag derselbe kaum größer als drei Stecknadelköpfe gewesen sein), worauf plötzlich Erstickungsanfälle auftreten. Nach Verabreichung eines Brechmittels beruhigt sich die Atmung und die Nacht wird ziemlich gut verbracht. Früh morgens treten die Atmungsbeschwerden von neuem auf und erreichen einen so hohen Grad, daß Bonain das Kind intubieren mußte. Der Kehlkopf ist stark ödematös, die Einführung der O’Dwyer-Tube Nr. II gelingt nur schwer. Nach der Intubation wird die Atmung sofort und vollkommen frei; das Kind hustet etwas blutigen Schleim aus. Nach ungestört verbrachter Nacht wird vormittags um % 10 Uhr extubiert, wobei zufolge der Gewebsinfiltration ein ge­wisses Hindernis zu bekämpfen war. Nach Extubation ist die Atmung frei, die Stimme klar und das Kind kann binnen weniger Tage für ganz gesund gehalten werden. Den ersten Erstickungsanfall führt Bonain gleichfalls auf Stimmritzenkrampf zurück, während er die nachträglichen Atmungsbeschwerden durch das infolge des im Kehl­kopfe fixierten Fremdkörpers aufgetretene Larynxödem erklärt. Die Elimination des Fremdkörpers ging in seinem Falle unbemerkt vor sich. Fremdkörper in den oberen Luftwegen.

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