Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

188 3. t her den Fall von Serestre und Bomus weiß ich leider nur so viel, daß ein 5jähriges Kind eine kleinere Glasperle aspirierte, sowie daß wegen schwerer Stenose bei frei beweglichem Fremdkörper intubiert wurde, und meines Wissens erfolgte die Expektoration des Fremdkörpers unter heftigen Hustenanfällen alsbald und zwar durch die Tube. 4. Fall Duplauts. Am 12. Dezember 1899 wird ihm ein einjähriges Kind vor­gestellt, mit Erscheinungen schwerer Atmungsstenose. Vom Vater hört er, daß das Kind während des Essens mit Schalen von gebratenen Kastanien spielte, wobei es nach einem plötzlichen Hustenanfall nach Luft rang. Der Autor versuchte sofortige Ecouvillonage mit „Porte coton“, worauf die Atemnot nachließ. Nach 2 Stunden gedieh die Stenose jedoch so weit, daß die Einführung der gewöhnlichen 0'Dwyer-Tube dringend geboten erschien. Nach Intubation wurde die Atmung frei. In den nächsten Tagen tägliche Extubationsversuche, doch ohne Erfolg, weil immer bald Reintubation nötig war. Nach der letzten Intubation liegt die Tube 8 Tage lang, — am 20. Dezember, d. h. 17 Tage nach der Aspiration früh morgens um 3 Uhr tritt heftiger Krampfhusten auf, wobei der Kranke die Tube expektoriert, und die Mutter findet die aspirierte Kastanienschale auf der Zungenspitze. Die vollkommene Heilung des Kranken läßt nicht lange auf sich warten. Der Schalenteil war etwa 1% mm breit und 5—6 mm lang. Der Autor hält es für wahrscheinlich, daß der Fremdkörper in dem einen Morgagni sehen Ventrikel fixiert war, was die knapp nach den jeweiligen Extubationsversuchen auf tretenden Dyspnoeanfälle erklärt. Wie aus dem Vorhergehenden ersichtlich ist, stimmen die Fälle von Meitzer, Bonain und Duplaut mit unserer Beobachtung im großen und ganzen überein. Wenn wir auch mit 0’Dwyer der Ansicht sind, daß die Intubation (insbesondere mit den runden Tuben) nur bei in den oberen Luftwegen frei beweglichen Fremdkörpern in Betracht kommen kann und zur Heilung führen kann, so hatten wir durch die geschilderten vier Fälle den Beweis dafür erbracht, daß das Verfahren auch bei fixierten Fremdkörpern des Kehlkopfs angezeigt sein mag und mit Erfolg durch­geführt werden kann und halten jenen Ausspruch von Massei1) und Schmiegelow1 2), daß die Intubation in solchen Fällen direkt kontraindiziert sei, für etwas übertrieben. Während wir bei beweglichen Fremdkörpern, vorausgesetzt, daß Größe und Form derart beschaffen sind, um durch die Tube durchzukommen (Fall von Serestre und Bonnus), auf Grund der obigen Überlegung dafür halten, daß die Einführung der Tube auch fortan in Versuch zu bringen sei und womöglich runde Tuben anwenden, so machen wir es bei fixierten Fremdkörpern des Kehlkopfes von der Beschaffenheit des aspirierten Fremdkörpers abhängig, ob ein Intubationsversuch vorzunehmen sei oder nicht. Es liegt auf der Hand, daß das Intubationsverfahren bei solchen Fremdkörpern, die den Kehlkopf fast ganz verstellen und dort fest fixiert gehalten werden, auch in unseren Augen für kontraindiziert betrachtet wird und daß eine Heilung nur von sonstigen operativen Eingriffen (Ex­traktion unter Kontrolle der Killian sehen direkten Laryngoskopie bei vor­heriger Tracheotomie oder ohne dieselbe) zu erhoffen ist. Über den Wert der Intubation bei sonstigen Stenosen. 1) Massai: „L’intubazione della laringe.“ Napoli 1893. „Le poi ovete a fare con corpi estranei, non fate assegnamento su la intubazione, anti é questa la piu classica contra-indicazione. 2) Schmiegelow: „Revue de Laryngologie.“ 1894. Nr. 20. „Les stenoses aigues du larynx, causées par un corps étranger, ne doivent étre traitées, que par la trachéotomie. “

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