Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation
II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen
186 Über den Wert der Intubation bei sonstigen Stenosen. (siehe S. 86). Es versteht sich von selbst, daß O'Dwyer diese Tuben und überhaupt die Intubation nur in solchen Fällen des Versuches wert hält, wo der Fremdkörper sich in der Luftröhre frei bewegt und eine gewisse Größe nicht übertrifft. O’Dwyers Empfehlung entstammt einer rein theoretischen Überlegung, nachdem er selbst keine Gelegenheit hatte, das Intubationsverfahren in solchen Fällen zu erproben. Nachdem diese runden Tuben dank der Zuvorkommenheit O' Dwyers bald nach ihrer Bekanntgabe mir zur Verfügung standen, habe ich deren Anwendung in einigen Fällen von Fremdkörperaspiration bei Kindern, wo der Fremdkörper frei beweglich gefunden wurde, versucht. Das Resultat war leider ein bloß palliatives und eine Heilung, also die Ausscheidung des Fremdkörpers aus den Luftwegen, konnte ich erst durch nachfolgenden Luftröhrenschnitt erreichen. Daß meine Versuche ohne Erfolg blieben, kann ich dem Umstande zuschreiben, daß der aspirierte Fremdkörper in jedem meiner Fälle so umfangreich war (Melonenkern, Fisole, Gleditschienkern), daß ein Abgehen durch die dem Alter entsprechende runde Tube unmöglich war. Trotz meiner bisherigen erfolglosen Bemühungen glaube ich das Intubations verfahren in entsprechenden Fällen aufs neue versuchen zu müssen, da a) ein Abgehen von kleineren Fremdkörpern, z. B. eines „Johanniskernes“, einer kleineren Glasperle oder eines kleinen Erbsenkorns durch die Tube für durchaus nicht unwahrscheinlich gehalten werden kann und b) wenn auch das Endziel nicht erreicht wird, durch Beruhigung der Atmung, nachdem die runden Tuben von den Kindern stundenlang gut vertragen werden1), eine palliative Wirkung geschaffen ist und Zeit gewonnen wird, die nötigen Vorkehrungen zur Tracheotomie zu treffen. Es ist wohl überflüssig, besonders hervorzuheben, daß eine ständige Beaufsichtigung dieser Kranken unumgänglich notwendig ist, weil eine eventuelle Einkeilung des Fremdkörpers in der Tube sofortige Extubation erfordert. Eben deshalb ist das Liegenlassen des Fadens in solchen Fällen von eminenter praktischer Bedeutung. Daß auch bei Fixation eines Fremdkörpers im Kehlkopfe die Intubation eventuell auch mit den gewöhnlichen O' Dwyer sehen Tuben erfolgverheißend in Anwendung kommen mag, kann ich durch eine Beobachtung gut illustrieren. G. B., 7 Monate alter Knabe, kommt am 9. Dezember 1896 zur poliklinischen Vorstellung. Die Atmung ist sägend, die Stimme sehr heiser. Rachengebilde frei, kaum gerötet; Nasenschleimhaut frei. Der Kranke ist unruhig. Die Ursache der akut entstandenen Stenose konnte weder diesmal, noch am nächsten Tage sichergestellt werden; am 12. wurde jedoch bei der vorgenommenen Fingeruntersuchung bei Abtasten der Kehle hinter der Epiglottis in der Stimmritze ein etwa 1—1% cm langer, von vorne nach hinten gelegener, länglicher Fremdkörper gefühlt, der bei tiefer Inspiration verschwindet und bei der Exspiration wieder zu fühlen ist. Auf Befragen teilt die Mutter mit, daß das Kind am 8., währenddem es ein weiches Ei verzehrte, plötzlich unwohl wurde. Nachdem der fixierte Fremdkörper solcherart für einen Teil der Eischale gehalten werden konnte, entschloß ich mich zur Intubation mit der gewöhnlichen O'Dwyer sehen Tube in der Hoffnung, daß die Schale durch !) O' Dwyer wagt es, die runde Tube in solchen Fällen auch für längere Zeit verweilen zu lassen (Under these circumstances they can be left in position for a much longer time without danger from pressure, because the mucous membrane of the larynx is in the normal condition).