Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

178 Daß man nicht so selten gezwungen ist, Erwachsene mit Hilfe des Spiegels zu intubieren, geht aus den literarischen Angaben klar hervor und findet seine Erklärung in anatomischen Verhältnissen, die überhaupt Schuld daran tragen, daß die Intubation bei Erwachsenen im allgemeinen schwieriger, als bei Kindern, durchzuführen ist. V ährend man die Tubeneinführung im allgemeinen auf die Weise besorgt, daß der Kranke sitzend verharrt, intubiert Casselberry stark ge­schwächte Patienten in liegender Stellung, er übt daher jenes Verfahren aus, das für die Kinderpraxis vor einigen Jahren zuerst von Carstens (Leipzig) in Anempfehlung gebracht vurde. Stets vor Augen halten sollte man den Rat Massei s, der bei Intu­bationen in der Erwachsenenpraxis stets alles zur eventuellen Tracheo­tomie bereit hält. Diese Vorsichtsmaßregel wäre vielleicht hier angesichts der ungleich schwierigeren Einführbarkeit der Tube noch mehr hervor­zuheben, als in der Praxis bei Kindern. Im übrigen erscheint die Einführung der Tube und das Verweilen derselben bei Erwachsenen auch durch die größere Intoleranz des Kehl­kopfes gegenüber Fremdkörpern erschwert, dieser Tatsache entspricht der Rat von Casselberry, den Larynx vorher mit Cocain zu bepinseln. Sargnon empfiehlt für jene Fälle, wo heftiger Hustenreiz eine Expulsion der Tube bewirken könnte, subcutane Verabreichung von Morphium. Ich bemerke, daß Ferroud (Lyon) auf Grund von an der eigenen Person angestellten Versuchen feststellen konnte, daß die gesunde Kehlkopfschleimhaut die Tube ziemlich gut verträgt. Nachdem die Larynxschleimliaut der Erwachsenen erfahrungsgemäß während des Verweilens der Tube nicht so bald geschwürig wird, so ist eine längere Intubationsdauer bei Erwachsenen mit weniger Gefahr verbunden, als in der Kinderpraxis. In Fällen, wo man von vornherein mit der Ab­sicht zu Werke geht, die Tube längere Zeit hindurch verweilen zu lassen, empfahlen Lefferts (1890) und Massei statt Bronzetuben solche aus Kaut­schuk in Gebrauch zu nehmen, schon ziemlich lange vor der Verbreitung der Ebonittuben. In der tieferen Lagerung des Kehlkopfes finden auch jene Schwierig­keiten ihre Erklärung, die bei der Ernährung von intubierten Erwachsenen zutage treten und welche häufig einen solchen Grad erreichen, daß die An­wendung von Schlundröhren (Simpson) bzw. nasopharyngealer Sonden oder Nährklistieren notwendig werden kann, oder, wenn es die Natur des Leidens erlaubt, zur Erleichterung der Ernährung systematisch intermittierende Tubage der ständigen Intubation vorgezogen wird. Wir bemerken nur noch, daß die Fütterung nach der Methode Casselberrys, nämlich die Ein­gießung der Nahrung in den Mund bei tiefer Kopflage des Patienten, welche Methode sich in der Kinderpraxis genügend bewährt hat, auch bei Erwachsenen mit Erfolg angewendet werden kann. Die Extraktion der Tube wird entweder mittels des Fadens oder instrumentell besorgt, in letzterem Falle eventuell unter Zuhilfenahme des Spiegels. Massei (1892), Pitts und Brook empfehlen den Faden zu ent­fernen, falls ein Verweilen der Tube länger als 12 Stunden notwendig wird. Die manuelle Extraktion (Enucleation, Expression, Babotsches Ver­fahren) ist in der Praxis der Erwachsenen nicht gebräuchlich. I ber den Wért der Intubation bei sonstigen Stenosen.

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