Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation
II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen
Die Intubation in der Erwachsenenpraxis. 177 tari um und auf die Technik, welche auf diesem Gebiete zweifellos infolge des geringeren Krankenmaterials keineswegs in solch hohem Grade entwickelt sind, wie in der Kinderpraxis. Der erwachsene Patient wird, von gewissen speziellen Stenosefällen abgesehen, mit den für Erwachsene dienenden Bronze- bzw. Kautschuktuben intubiert, von welchen einige in verschiedener Größe (Fig. 93) zur Verfügung stehen müssen, in Anbetracht der verschiedenen räumlichen Verhältnisse des Kehlkopfes der Erwachsenen. (In dem Etui von Lefferts- O' Dwyer sind sechs verschieden große Kautschuk- und drei Bronzetuben enthalten.) Es bedarf keiner besonderen Erläuterung, daß der für Erwachsene bestimmte Jntroduktor und Extraktor mit längeren Armen versehen sein müssen, als die entsprechenden Instrumente für Kinder. Jenen Umstand vor Augen haltend, daß die Lage des Kehlkopfes bei Erwachsenen eine tiefere ist, wodurch derselbe durch den tastenden Zeigefinger schwerer erreicht werden kann (der Kehlkopf der Frau hegt nach Untersuchungen Sargnon a weniger tief, als der des Mannes), vollführen einzelne Spezialisten die Tubeneinführung regelmäßig unter Kontrolle des Spiegels. So sind als besondere Fürsprecher der mit Hilfe des Laryngoskops auszuführenden IntubationLe/Zerte, Massei, Egidi, Bedére, Sargnon zu nennen, während O' Dwyer, Simpson, Casselberry die Intubation mit Zuhilfenahme des Kehlkopfspiegels bloß in besonderen Ausnahmefällen für zulässig halten. Daß die Einsetzung der Tube mit dem Spiegel bei unruhiger Atmung durchaus nicht so einfach vor sich geht, wie die Intubation unter Führung des Fingers, vorausgesetzt, daß man die Epiglottis mit der Fingerspitze zu fixieren imstande ist, muß als Tatsache angesehen werden; ich glaube, daß die Einführung nach Ablösung der Tube vom Mandrin, wenn man nach rascher Entfernung des Spiegels mit dem Finger schnell in den Rachen einzugehen hat, um das Hinunterschieben der Tube rasch zu vollenden1), der schwierigste Moment der Operation ist und besondere Handfertigkeit erfordert. Es scheint mir, daß in der Intubationspraxis bei Erwachsenen, wenn man mit Hilfe des Laryngoskops intubieren will, der fixierbare Spiegel nach Paunz (Fig. 94) sehr gute Dienste leisten könnte, weil bei dieser Vorrichtung ein bi- manuelles Arbeiten unter Spiegelkontrolle ermöglicht ist (M. Paunz: Uber das zweihändige Operieren im Kehlkopfe. Wien. klin. Rundschau. 1901. Nr. 3). Fig. 94. 1) Sargnon: „L’opérateur sans perdre une seconde, dépose vivement son laryngoscope.“ v. Bók ay, Die Lehre von der Intubation. 19