Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

Luetische Kehlkopfverengerungen. 175 zur Tracheotomie bereit, weil zu befürchten war, daß die Tube durch die narbige Striktur nicht durchzukommen vermag. Durch Intubation ward die Atmung voll­kommen frei; die Tubeneinführung (Nr.Y) beanspruchte keinen besonderen Kraft­aufwand. Die erste Intubation wurde am 25. September vorgenommen und die Tube lag 6 Stunden hindurch. Nach der Extubation fällt es der Kranken selbst auf, wie­viel leichter sie jetzt atmet. Innerlich wird Jod-Jodkalilösung verabreicht. 27. September. Intubation mit Tube Nr. VI durch 3 Stunden. 29. September. Intubation mit Tube Nr. VI durch 3 Stunden. 1. Oktober: Der laryngoskopische Befund läßt eine wesentliche Besserung erkennen. Es zeigt sich eine regelmäßige elliptische Spalte, deren Spitzen bereits bis zum vorderen und hinteren Rande reichen (Fig. 90). Am 1., 3., 5., 7., 9., 11., 13., 15. und 17. Oktober In­tubation durch je 3 Stunden. 6. Oktober. Bei Spiegeluntersuchung keine Spur der Verengerung mehr nachzuweisen. Stimme noch verschleiert, Atmung vollkommen normal. Am 16. Oktober geheilt entlassen. Es ist nicht in Abrede zu stellen, daß die Intubation in diesem Falle von frappanter Wirkung war. Als ich den Fall zum ersten Male sah, hoffte ich wohl eine günstige Beeinflussung durch Intubation zu erreichen, war jedoch überzeugt davon, daß es trotz dieser zur Excision des Narbengewebes kommen wird; schon nach der ersten Intubation konnte man jedoch sehen, daß das In­tubationsverfahren wohl an und für sich genügen dürfte. Das Mädchen wurde übrigens auch nach der Entlassung in Zeiträumen von 2—3 Wochen auf einige Stunden noch Monate hindurch intubiert. Die Heilung ist eine ständige. 2. Fall1). G. B., 10 Jahre alter Knabe, wurde am 8. September 1896 mit der An­gabe auf genommen, daß er seit einem Jahre schwer atmet; die Atmungs­beschwerden traten in immer höherem Grade zutage; beim Gehen und Arbeiten, sowie des Nachts ist die Dyspnoe stärker, zeitweise treten auch Erstickungs­anfälle auf. Die Eltern sind angeblich gesund, namentlich für Lues findet sich kein Anhalt; eines der beiden Geschwister lebt und ist gesund, das andere ist früh verstorben. Ziemlich gut ernährt und entwickelt. Am Genicke und im Sulcus bicipitalis beiderseits bohnengroße Drüsen. Das Zäpfchen fehlt ganz; der weiche Gaumen schließt scharf, in stumpfem Winkel, die Spitze in der Mittellinie ab; die Schleim­haut ist normal. Die rechte Tonsille ist höckerig, stark vergrößert. Nasengänge frei. Stimme rein. Atmung etwas laut, dumpf sägend. Laryngoskopischer Befund: Kehlkopf normal. In der Höhe des dritten und vierten Trachealringes, unter den Stimmbändern einen nach hinten offenen Winkel bildend, verengt ein keilförmiges, ziemlich breites Narben­gewebe das Lumen der Trachea; die hintere Wand der­selben bleibt halbmondförmig frei (Fig. 91). Diagnose: Defectus uvulae, tracheo-stenosis luetica. Am 10. September führte ich zwecks Erweiterung der narbigen Striktur die Intubation aus. Die Tubeneinführimg war mit keiner besonderen Schwierigkeit verbunden, indem die Tube ziemlich leicht durch die Striktur dringt. Mit der Tube ist das Atmen ein sehr gutes und die Nacht verläuft ruhig. Um 6 Uhr früh wird die Tube ausgehustet. In extubiertem Zustande ist die Atmung bedeutend ruhiger und auch die Nacht wird ziemlich gut verbracht. !) Uber diese Beobachtung referierte ich bereits im Jahre 1897 am Moskauer internationalen Kongreß. Fig. 90. Fig. 91.

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