Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation
I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose
ment durchführe1). Es ist mehr als wahrscheinlich, daß ich es diesem Verfahren zu verdanken habe, daß ich in meinem Intubationsmaterial von 1559 Fällen bloß in einem einzigen bei Vernachlässigung obiger Vorsichtsmaßregeln das Auftreten eines narbigen Verschlusses beobachtete. In Anbetracht dessen, daß in den von mir genannten Fällen die Striktur bzw. Okklusion bei zwei Fällen schon nach 3 bzw. 4 Wochen evident konstatiert war, also beträchtlich früher in der Entwicklung begann, so müssen wir nach dem Luftröhrenschnitt auf das Eintreten der narbigen Schrumpfung schon von der zweiten Woche an bedacht sein. Dieselbe Erfahrung machte auch Ganghojner, während O’Dwyer mit dieser Ansicht im Widerspruch steht, indem er das Entstehen der narbigen Verengung innerhalb 6 Wochen nicht für wahrscheinlich hält* 2). Wir sahen vorhin, daß 0’ Dwyer und mit ihm sämtliche amerikanische Intubatoren die Indikation des sekundären Luftröhrenschnittes zwischen die engsten Grenzen stellten, so betrachten O'Dwyer und Dillon Brown die sekundäre Tracheotomie bloß in jenem Fall für angezeigt, wenn infolge von Druckgeschwüren der Ringknorpel in vollem Umfang zerstört ist; vielleicht ist es dem zuzuschreiben, daß jenseits des Ozeans narbige Kehlkopfverschlüsse bei Intubierten kaum Vorkommen, denn 0'Dwyers Gedankengang ist unbestreitbar richtig: ,,Slow healing around a properly fitting intubation tube is much less likely to be followed by contraction, and is the only safe method in these cases.“ Daß es mir bei Anwesenheit schwerer Decubitalgeschwüre durch lokale Behandlung der Ulcerationen in einer ziemlich ansehnlichen Anzahl der Fälle gelungen ist, den Luftröhrenschnitt überflüssig zu machen, habe ich oben (S. 132) ausführlich dargelegt. Betrachten wir nunmehr, welche therapeutische Maßregeln im gegebenen Fall herangezogen werden können und welchen Erfolg die bisher angewendeten verschiedenen chirurgischen Eingriffe versprechen. Bei den durchgängigen narbigen Kehlkopfstrikturen brauchen wir nicht lange zu verweilen. In diesen Fällen gelingt die Erweiterung der Striktur zumeist [doch nicht immer3)] ohne blutigen Eingriff (vorherige Tracheotomie) mit Hilfe der bekannten Erweiterungsmethoden, und zwar auf bucco-laryngealem — seltener auf retrogradem — Wege, doch verspricht vielleicht die durch Intubation vollzogene Dilatation auf dieselbe Art, wie ich sie auf die Empfehlung von George M. Lefjert (1890) bei vier Fällen mit gutem Erfolg versucht habe, das beste Resultat. Daß bei dieser Methode nicht nur ein völlig zufriedenstellender, sondern auch genug rascher Erfolg erzielt werden kann, 164 Die O’Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphtherischen Larynx-Stenose. !) Wie ich aus den im Jahre 1900 an mich gerichteten geschätzten Zeilen des Prof. V. Ranke entnehme, geht er folgendermaßen vor: ,,Um bei sekundär- tracheotomierten Kindern eine Larynxstenose zu verhüten, lasse ich seit mehreren Jahren bei liegender Tracheotomiekanüle etwa alle 3 Tage vorübergehend intubieren und hoffe damit die Kehlkopfstenose hintanzuhalten.“ 2) „Six weeks is a short time in which to develop the secondary stricture“ etc. 3) In den beiden schön geheilten Fällen von Pólya erheischten verhältnismäßig lange cylindrische Strikturen die Laryngofission und Narbendurchtrennung.