Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation
I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose
165 wird durch meine oben mitgeteilten Fälle (2. und 4. Fall) klar dargelegt, mein erster Fall demonstriert jedoch auch, daß bei solchen Strikturen, welche schon einen höheren Grad erreicht haben, und wo Gefahr droht, daß dieselben zu impermeablen Verengerungen führen, mitunter auch ein gewisser Grad von Kühnheit von seiten des Operateurs notwendig sein kann, indem derselbe eventuell bei der Einführung der Tube zur Passage der Striktur solche Gewalt an wenden muß, welche unter normalen Verhältnissen sonst durchaus nicht erlaubt wäre. Trotzdem stehen unserer Behandlung manchmal ernste Hindernisse im Weg, so daß ein Erfolg ohne blutigen Eingriff (Laryngofission, Narbendurchtrennung) bloß auf Kosten großer Anstrengung erzielt werden kann, wie dies ein im Pariser „Hopital Trousseau“ beobachteter Fall beweist1). R- B., 18 Monate altes Kind, wurde am 3. Juni 1896 wegen Larynxcroup im Anschluß leichter Rachendiphtherie in das „Hopital Trousseau“ aufgenommen. Am Tage der Aufnahme wird dreimal Ecouvillonage versucht, später insgesamt siebenmal Intubation vollzogen, da das Kind die Tube immer wieder aushustet. Wegen Annahme des Vorhandenseins laryngealer Ulcerationen wird am 17. Juni die Crico- tracheotomie ausgeführt. Nachdem das Dekanulement nicht gelingt, wird das Kind am 25. Juni neuerlich intubiert; nach 2 Stunden wird die Tube ausgehustet; danach bleibt die Respiration vollkommen ruhig, so daß das Kind am 2. Juli scheinbar vollkommen geheilt aus dem Spitale entlassen wird. Am 6. Juli gelangt das Kind in durch hochgradige Atmungsbeschwerden verursachter Asphyxie wieder zur Spitalaufnahme. Neuere sofortige Cricotracheotomie. Am 8. Juli wird das Kind auf 24 Stunden wieder intubiert und eine für 3—4 jährige bestimmte Tube wird hierbei eingeführt, worauf die Respiration bis zum 20. Juli frei bleibt, an welchem Tage plötzlich ein Erstickungsanfall auftrat. Nach 24stündiger Intubationsdauer wird das Atmen wieder ruhig und am 25. Juli wird das Kind aus dem Spitale weggeführt, doch am 31. Juli mit stark stridorösem Atmen wieder zurückgebracht. Am 1. August muß wieder intubiert werden; die Tube wird am 3. August ausgehustet. Bisher war die Zahl der Intubationen 14. Nun beginnt eine lange Serie der Ex- und Intubationen und der dem spontanen Aushusten rasch folgenden Suffokationen. Vom 3. August bis zum 15. Oktober (73 Tage) wird das Kind in kürzeren oder längeren Zwischenräumen noch elf mal intubiert, worauf die dem 3—4 jährigen Alter entsprechende Tube, die in der letzten Zeit bloß schwer einführbar war, nun überhaupt nicht mehr eingesetzt werden konnte, weshalb die für 2 jährige bestimmte Tube in Verwendung gelangt. Starker Spasmus der Stimmbänder, nebstbei ist ein in der Höhe des Ringknorpels sitzendes Hindernis zu fühlen. Am 16. Oktober Extubation. Nach einigen Tagen tritt im rechten Unter lappen eine croupöse Pneumonie auf, während deren Dauer der Stridor aufhörte und kein einziger Erstickungsanfall auftrat. Am 1. November fängt die Stenose von neuem an, so daß am 5. November reintubiert werden muß; es wird die 3—4jährige Tube angewendet, deren Einführung bloß geringe Schwierigkeiten verursacht. Am 21. November, als das Kind zum letzten Male intubiert werden sollte, gelingt die Intubation erst zum dritten Male, und es kann nur die für 2 jährige bestimmte Tube eingeführt werden. Vom 22. November bis zum 12. Januar (Datum der Mitteilung) wird kein neuerer Eingriff benötigt. Die Atmung verblieb etwas ziehend und laut, besonders während des Schlafes und im Excitations- zustand; die Stimme ist heiser, doch kräftig. Die chirurgische Behandlung der narbigen Okklusionen* 2) weist minder befriedigende Erfolge auf, obwohl in den letzten Jahren ein FortÜber die nach der Intubation entstandenen Kehlkopf Verengerungen. *) Heymcm: Thése. 1897. 1. c. S. 89. 2) Mit der Bezeichnung des narbigen Verschlusses benennen wir auch jene Fälle, wo noch ein capillarer Verbindungskanal verblieben ist.