Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose

159 Die Wundheilung geht glatt von statten» und nachdem der transplantierte Lappen festsaß, wurden am 2. Januar 1902 in Chloroformnarkose zweimal Intu­bationsversuche vorgenommen. Die Tube glitt jedoch zu beiden Malen auf die Weise herab, daß der Tubenkopf in der Laryngofissionsöffnung erschien. Am 18. Januar erscheinen zu beiden Seiten des Transplantationslappens namhafte Granulations­wucherungen, die mit einem scharfen Löffel excochleiert werden, und am 22. Januar wurden beiderseits auf die abgeschabten Bezirke dem Oberarm entnommene streifen­förmige Epidermislappen gelegt. Die Transplantation derselben gelang jedoch nicht. Am 31. Januar intubieren wir nach mehrfachen Fehlversuchen mit einer ent­sprechenden Metalltube, doch schon am nächsten Tage muß man wegen schlechter Atmung extubieren und neuerlich die Kanüle einlegen. Hierauf intubieren wir am 2. Februar auf einen, am 6. auf 1 y2, am 8. auf 2%, am 10. auf 2, am 13. auf 7 Tage. Die Extubation wird in der Regel nur für einige Minuten vertragen und bis zum 9. März trägt das Kind, jeden dritten Tag intubiert, fast ständig ihre Ebonittube. Am 13. März läßt die Tube am Bauch und am unteren Ende einen Belag erkennen, was vereint mit der Schmerzhaftigkeit der Kehlkopfwunde die Anwendung der Gelatine-Alaunheiltube anzeigt. Diese steht bis 23. April jeden fünften bzw. sechsten Tag in Gebrauch. Am Bauche der ersten beiden Metalltuben war auf klein­linsengroßer Fläche ein bräunlich-schwarzer Fleck zu sehen. Die Extubation wurde auch in diesem Zeitraum nur für ganz kurze Dauer (%—1 y2 Stunden) vertragen. Am 23. April tritt nach 1 y2 stündigem Extubationszustand plötzlich ein bedrohlicher Stridor auf, während des Intubationsversuches Asphyxie, Cyanose. Nach Er­weiterung der minimalen Fistel wird eine Metallkanüle eingelegt, worauf das Kind nach künstlicher Atmung zu sich kommt. Am 29. April wird eine kleinere, am nächsten Tage eine dem Alter entsprechende Tube eingeführt. Hierauf intubieren wir bis zum 26. Juni jeden dritten Tag. Ex­tubation wird y2—1 Stunde lang vertragen. Am 26. Juni nach 15 Minuten währender Extubation plötzliche Asphyxie, wobei die Tube nicht eingeführt werden konnte. Nach der Erweiterung der Halsfistel neuerliche Kanüleeinlage. Am 27. Juni ein mißlungener Intubationsversuch. Am 28. Juni gelingt die Intubation mit einer kleinen, konischen Metalltube, am nächsten Tage mit einer größeren Ebonittube. Gelegentlich der nun folgenden 4 tägigen Intubation gewinnen wir die Überzeugung, daß das Kehlkopflumen namhaft verengt ist, doch schon im August war die dem Alter des Kindes entsprechende Tube mit Leichtigkeit anzu­wenden. In der hierauf folgenden Periode, in den Monaten September, Oktober, November und Dezember war die Kranke jeden siebenten Tag intubiert. Der Verlauf war, von einem mäßigen Bronchialkatarrh abgesehen, ein ungestörter. Die Extubation wurde stets nur für kurze Zeit, höchstens für die Dauer von 4—5 Stunden geduldet, und die neuerliche Intubation war in der Regel wegen plötzlicher Asphyxie notwendig. In der letzten Zeit mußte bei jeder Intubation stets ein Hindernis in der Gegend des Cricoidknorpels überwunden werden. Vom Januar des nächsten Jahres 1903 angefangen bis zum Juni wurde das Kind unter ähnlichen Verhältnissen jeden fünften bis sechsten Tag mit Ebonit-, so­dann im Juni wegen Geschwürssymptomen mit Gelatine-Alaunheiltuben intubiert. Von Juli bis Dezember intubieren wir wieder in Zeiträumen von 4—6 Tagen. Der Zustand zeigt nur insofern eine Veränderung, als das Kind die Extubation im all­gemeinen länger als bisher (bis 15 Stunden lang) verträgt. War es längere Zeit hin­durch kontinuierlich extubiert, so kann anfangs bloß eine kleinere, späterhin die entsprechende Tube in Anwendung gebracht werden. Die Asphyxie pflegt auch in dieser Zeit plötzlich aufzutreten, und des Nachts atmet das Kind auch bei liegender Tube stenotisch. Am 3. Dezember wird bei direkter Laryngoskopie untersucht, wobei sich heraus­stellt, daß zwei polypöse Gebilde von fast Bohnengröße von der seitlichen Pharynx­wandung (Plicae ary-epiglotticae) ausgehend, oberhalb des Tubenkopfes auf die Weise flottieren, daß sie bei der Inspiration oberhalb des Tubenkopfes und der Juben- öffnung zusammenreichen und sozusagen aspiriert werden, so daß hierbei eine freie Spalte von kaum 1 mm übrig bleibt. Am 5. Dezember wird demzufolge eine neuere Operation vorgenommen (Primarius Winternitz). Zwecks Vermeidung der Tracheotomie wird der Pharynx im Wege der Über die nach der Intubation entstandenen Kehlkopfverengerungen.

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